09.04.2009

Weiß schlägt Rot

Wer wenig "rotes" Fleisch ist, lebt durchschnittlich länger...

Wer viel rotes Fleisch isst, stirbt im Schnitt früher an Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder anderen Krankheiten. Wer hingegen viel Fleisch mit einem höheren Anteil von weißem als rotem Fleisch oder Fisch verzehrt, senkt die Sterblichkeit. Beim Verzehr von Eiweiß sollte also vermehrt Geflügel oder Fisch gewählt werden, da sich dies einer aktuellen Studie zufolge lebensverlängernd auswirken kann, berichtete der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI). Dieser Befund bestätige bisherige Empfehlungen, rotes Fleisch und Wurst nur in Maßen zu essen. Der BDI empfiehlt daher eine Ernährung mit viel Obst- und Gemüse und viel ungesättigten Fettsäuren.

Eine Untersuchung amerikanischer Wissenschaftler an über 600.000 US-Bürgern hat ergeben, dass hoher Fleischkonsum die Sterberate erhöht (Archives of Internal Medicine 2009, Band 169: Seite 562). Menschen, die täglich etwa 145 Gramm rotes Fleisch essen, haben demnach eine um bis zu 36% höhere Sterblichkeit als bei einem Fleischkonsum von weniger als 20 Gramm pro Tag - und dies, obwohl die Forscher andere gesundheitsschädigende Faktoren berücksichtigten. Ihre Analyse ergab nämlich auch, dass Menschen, die viel rotes Fleisch essen, gleichzeitig auch mehr rauchen, mehr wiegen und weniger Sport treiben. Bei weißem Fleisch dagegen sank die Sterblichkeit bei den Menschen signifikant um mindestens 8%, die am meisten Geflügel oder Fisch aßen. Auf die Gesamtbevölkerung hoch gerechnet könnten den Medizinern zufolge 11% der Todesfälle bei Männern und 16% bei Frauen vermieden werden, wenn der Konsum von rotem Fleisch entsprechend gesenkt würde.

Rotes Fleisch enthält mehr gesättigte Fettsäuren

Warum sich rotes Fleisch im Unterschied zu Geflügel und Fisch negativ auf die Gesundheit auswirkt ist im Einzelnen noch nicht klar. Eine Ursache könnte der unterschiedliche Gehalt an Fetten sein: Rotes Fleisch enthält höhere Mengen gesättigter Fettsäuren. Diese fördern z. B. die Entstehung von Darm- oder Brustkrebs. Ungesättigte Fettsäuren, wie z. B. die Omega-3-Fettsäure, Alpha-Linolensäure, schützen dagegen die Blutgefäße vor Ablagerungen und Entzündungen. „Die Auswahl der spezifischen Eiweißquelle scheint also eine wichtige Rolle zu spielen. Verschiedene Studien aus dem letzten Jahr konnten sogar gewisse Vorteile einer kohlenhydratarmen - aber eiweißreichen - Kost gegenüber einer rein fettarmen Ernährung auf die Gesundheit aufzeigen", erklärt Dr. Thorsten Siegmund, Ernährungsmediziner am Klinikum München-Bogenhausen.

Trotz dieser Erkenntnisse muss niemand auf seinen geliebten Sonntagsbraten verzichten. „Ein bis zwei Mahlzeiten mit rotem Fleisch pro Woche schaden sicherlich nicht. Man sollte aber darauf achten, dass das Essen möglichst viele ungesättigte Fettsäuren enthält. Wichtige Quellen sind Pflanzenöle wie Oliven- oder Rapsöl, Nüsse und - siehe oben - Fisch", empfiehlt Dr. Siegmund.