16.10.2013
Wenn Fliegen Bauchweh macht
Dünne Luft im Flugzeug oder im Gebirge in großer Höhe ist ein Risikofaktor für Entzündungsschübe bei Patienten mit chronisch entzündlichem Darm. Das berichten Schweizer Forscher.
Patienten mit chronisch entzündlichem Darm machen oft die Erfahrung, dass es nach einer Reise zu
Entzündungsschüben kommt. Die Hauptrolle spielt dabei nicht der Reisestress, sondern der Sauerstoffmangel im Flugzeug oder während Aufenthalten im Gebirge. Wird dieser neue Risikofaktor berücksichtigt, kann man weiteren Schüben vorbeugen. Zu diesem Schluss gelangt eine Studie
aus der Schweiz.
Sauerstoffmangel oder sprichwörtlich „dünne Luft", wie sie in den Bergen oder in Flugzeugen herrscht, kann bei Menschen mit entsprechender Veranlagung Entzündungen im Verdauungstrakt auslösen. Diesen Zusammenhang haben Forschende der Schweizer IBD-Kohorte nun mit Untersuchungen an rund hundert Patienten erhärtet, die an chronisch entzündlichem Darm (englisch: inflammatory
bowel disease, IBD) leiden. Im Folgemonat nach einem Aufenthalt in den Bergen oder einer Flugreise traten Entzündungsschübe deutlich häufiger auf, wie die Forschenden um Stephan R. Vavricka vom Triemlispital in ihrer kürzlich publizierten Studie berichten.
Patienten mit IBD sind sich des Zusammenhangs von Reisen und Entzündungsschüben oft bewusst und verzichten deshalb aufgrund negativer Erfahrungen mitunter ganz auf Reisen in entfernte Gegenden. Im Allgemeinen werde die Schuld für die Schübe allerdings eher beim Reisestress oder bei im Ausland zugezogenen Infekten gesucht, sagt Vavricka. Der Gastroenterologe und Erstautor der Studie ist sich aber sicher, dass der Grund für die Entzündungsschübe Sauerstoffmangel ist. Eine Flugreise entspricht einem Aufenthalt in etwa 2500 Metern Höhe, was die Sauerstoffkonzentration in der Luft angeht, und die Häufigkeit der Entzündungsschübe ist bei Flug- wie Bergreisen ähnlich erhöht. Zudem lasse sich der Zusammenhang auch im Labor anhand von Gewebeproben belegen, die bei Sauerstoffmangel eine entzündliche Reaktion zeigen, sagt Vavricka.
Wenn Aufenthalte in höheren Berglagen und Flugreisen als gewichtige Risikofaktoren für Entzündungsschübe bei IBD-Patienten angesehen werden, verschafft das mitunter Erleichterung für die Patienten. So können zum Beispiel behandelnde Ärzte ihren Patienten vor einer Reise Medikamente verschreiben, um die Reaktion ihres Darms auf den Sauerstoffmangel zu lindern und einem Entzündungsschub vorzubeugen.
Erst unlängst hatte dieselbe Forschungsgruppe aufgezeigt, dass es auch während Hitzewellen vermehrt zu Entzündungsschüben bei IBD-Patienten kommt. Damit wird immer deutlicher, dass Umwelteinflüsse eine wesentliche Rolle bei Entzündungen im Verdauungstrakt spielen. Mit weiteren
Forschungsanstrengungen sollen diese Zusammenhänge in den nächsten Jahren erhellt werden, um damit den behandelnden Ärzten bessere Entscheidungsgrundlagen zu liefern. Dabei sind auch Versuchsreihen in Druckkammern vorgesehen.
