25.12.2008
Wenn schlafende Tumore erwachen
Nicht aus jedem Tumor entsteht Krebs. In vielen Fällen bleiben die Geschwulste winzig klein richten keinen Schaden an...
Bild: Darm mit Tumor-Vorstufen,
so genannten Polypen.Tumore können jahrelang ihr Wachstum einstellen, bevor ihre Zellen beginnen, sich erneut zu teilen und zu einer Bedrohung für die Gesundheit zu werden. Was die schlafenden Tumore wieder erwachen lässt, ist im Einzelnen noch unklar - Belastungen und Schäden im Gewebe könnten jedoch ein Auslöser sein, teilt der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) mit.
Tumore scheinen in ihrer Entwicklung zur bösartigen, schnell wachsenden Krebsgeschwulst verschiedene Stadien zu durchlaufen. Sie können dabei zeitweise oder sogar dauerhaft in einer Art Wachstumsstarre verharren, ohne dem Körper unmittelbar zu schaden. „Aus Autopsie- und Reihen-Untersuchungen wissen wir, dass viele Menschen mikroskopisch kleine Tumore im Körper haben, die sich nicht zu Krebserkrankungen weiter entwickeln. Ein Großteil dieser Mikrotumore bleibt harmlos", erklärt Prof. Reiner Hartenstein vom BDI. So haben wesentlich mehr Frauen Autopsie-Befunden zufolge einen solchen Tumor in der Brust als tatsächlich an Brustkrebs erkranken.
Wachsender Tumor benötigt Versorgung durch Blutgefäße
Verschiedene Faktoren können das Tumorwachstum beeinflussen. Dazu zählen das Immunsystem, Hormone sowie Wachstumsfaktoren. Prof. Hartenstein: „Eine wichtige Rolle spielt offenbar die Fähigkeit der Tumorzellen, neue Blutgefäße zu bilden. Botenstoffe aus der Umgebung des Tumors, die das Wachstum von Blutgefäßen fördern oder verhindern, könnten aus einem „schlafenden" einen „wachen" Tumor machen." Denn nur wenn die Krebszellen ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden, kann der Tumor immer weiter wachsen.
Welche Umstände oder Ereignisse ein solches Erwachen auslösen, ist noch weitestgehend unbekannt. „Es gibt Hinweise darauf, dass Gewebeschäden, z.B. durch mechanische Verletzungen, bereits vorhandene Krebszellen zur Vermehrung anregen könnten. Möglicherweise führen Stressreaktionen des Gewebes zur Ausschüttung von Botenstoffen, die das Tumorwachstum beschleunigen", so Prof. Hartenstein. Der Krebsexperte empfiehlt daher, dass Krebspatienten nach einer Operation regelmäßig Nachsorge-Untersuchungen vornehmen lassen. Die Abstände und Zeiträume hängen dabei von der Art der Krebserkrankung ab: Im Allgemeinen gelten 5 Jahre nach Erstbehandlung ohne erneuten Tumor als geheilt. Einige Krebserkrankungen können aber auch noch viele Jahre später auftreten, Brustkrebs beispielsweise kann nach bis zu 3 Jahrzehnten wieder zurückkehren.
