23.10.2011

Wer regelmäßig Schmerzmittel einnimmt, läuft Gefahr, an Herz- oder Hirninfarkt zu sterben

Schmerzmittel der Klasse nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAID) können das Risiko erhöhen, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Davor warnen die Kardiologen vom BNK.

Die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln der Klasse nicht-steroidale Entzündungshemmer (auch nicht-steroidale Antiphlogistika genannt oder aus dem Englischen non-steroidal anti-inflammatory drugs: NSAID) führt zu einem beträchtlich erhöhten Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Davor warnen die Kardiologen vom Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK) in München. „Insbesondere ältere Menschen, die häufig sowieso schon mit Herz-Kreislaufproblemen vorbelastet sind, sollten solche Medikamente nicht unbedacht einnehmen, bzw. falls unvermeidlich, dann nur so niedrig dosiert und so kurz wie möglich", rät Dr. Norbert Smetak, Bundesvorsitzender des Bundesverbandes der Niedergelassenen Kardiologen (BNK) und praktizierender Kardiologe in einer fachärztlichen Gemeinschaftspraxis für Innere Medizin, Kardiologie und Angiologie in Kirchheim. „Fatalerweise sind einige dieser Medikamente auch rezeptfrei in der Apotheke erhältlich, so dass manche Menschen offenbar meinen, dann könnten sie nichts schaden."

Bis zu vierfach erhöhte Sterblichkeit im Vergleich zu Scheinmedikament

Schweizer Forscher haben in einer Meta-Studie mit über 116.000 Patienten (siehe British Medical Journal (BMJ) 2001, Band 342, Seite 7086) die Nebenwirkungen von sieben NSAID, die häufig von älteren Menschen gegen Rücken- oder Gelenkschmerzen eingenommen werden, analysiert. „Alle untersuchten Medikamente waren mit einem erhöhten Risiko für Herz- und Hirninfarkte verbunden", berichtet Smetak. „Zwei Wirkstoffe - das rezeptfrei erhältliche Diclofenac (ein herkömmliches Schmerzmittel) und Etoricoxib (ein so genannter COX2-Hemmer, der zur Behandlung von Arthrose, rheumatoider Arthritis und bei akuten Gichtanfällen eingesetzt wird) - gehen im Vergleich zu Scheinmedikamenten mit einer vierfach erhöhten Herz-Kreislauf-Sterblichkeit einher. Und Ibuprofen verdreifacht den Forschern zufolge das Risiko für einen Schlaganfall und steigert das Herzinfarktrisiko um den Faktor 1,3. Damit soll jetzt aber keine Rangfolge der Gefährlichkeit unter den sieben Wirkstoffen aufgestellt werden, zumal sie alle den Schutz der Gefäße zerstören. So darf man aus fehlenden Daten für Wirkstoffe, die bisher noch nicht untersucht wurden, auch nicht den Rückschluss ziehen, dass diese frei von Nebenwirkungen wären. Vielmehr sollten Menschen, die regelmäßig Schmerzmittel benötigen, bei Medikamenten aus der Gruppe der NSAID - insbesondere auch den frei verkäuflichen - größere Vorsicht walten lassen und sich bewusst zurückhalten. Leider gibt es keine empfehlenswerten Alternativmedikamente, da auch Ausweichmittel wie Parazetamol oder Opiode unerwünschte Nebenwirkungen (wie z.B. dauerhafte Leberschäden) verursachen und zudem oft nicht effektiv genug helfen. Eine gute, nicht-medikamentöse Option stellen aber zum Beispiel gezielte Bewegungs- und Entspannungsübungen dar, durch die Schmerzen und Beschwerden sich durchaus lindern lassen."