07.01.2008
Widersprüchliche Zahlen zum Krankenstand 2007
Die Krankenkassen melden steigende Fehlzeiten, das Gesundheitsministerium spricht dagegen von Rekordtief bei den Krankheitsmeldungen...
Ende November berichtete der Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK), der durchschnittliche Krankenstand aller gesetzlich Versicherten sei in den ersten 10 Monaten des Jahres von 3,0% auf 3,2% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Selbst Berufsgruppen mit hoher Qualifikation und traditionell niedrigen Krankheitsausfällen hätten neuerdings wieder steigende Ausfalltage verzeichnet. „Die Menschen gehen später in Rente, und für viele wird die tägliche Arbeit immer stressiger. Dies könnten Gründe dafür sein, dass erstmals seit über 10 Jahren der Krankenstand in Deutschland wieder ansteigt", sagte Florian Lanz, Sprecher des BKK Bundesverbandes.
Ministerium vermeldet Rückgang
Diesen Angaben widerspricht nun allerdings das Bundesgesundheitsministerium. Demnach ist der Krankenstand in deutschen Unternehmen 2007 auf ein Rekordtief gefallen: Von Januar bis Dezember hätten jeden Tag durchschnittlich 3,2% der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten wegen Krankheit am Arbeitsplatz gefehlt. Im Vorjahr seien es noch 3,3% gewesen. Grund für die verwirrenden Ergebnisse ist einer Sprecherin des Ministeriums zufolge nicht vergleichbares Zahlenmaterial der Krankenkassen.
Krank zur Arbeit
2006 gab es mit im Schnitt 12,4 Krankheitstagen im Jahr noch den geringsten Stand seit 1976. Veränderungen in der Beschäftigtenstruktur und eine verbesserte Gesundheitsvorsorge in den Betrieben waren in der Vergangenheit immer wieder als Grund für rückläufige Krankenstände genannt worden. Dagegen zeigen die Ergebnisse einer Befragung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), dass viele Arbeitnehmer Krankmeldungen scheuten, um ihren Arbeitsplatz nicht zu gefährden. Knapp 2 Drittel der Arbeitnehmer gaben demzufolge an, es sei im Jahr 2006 vorgekommen, dass sie zur Arbeit gegangen seien, obwohl sie sich richtig krank gefühlt hätten. Außerdem erschien jeder 3. Arbeitnehmer mit gesundheitlichen Beschwerden am Arbeitsplatz, obwohl der Arzt davon abgeraten hatte.
Die meisten Ausfälle werden nach Angaben des BKK-Bundesverbandes durch Muskel- und Skeletterkrankungen (26,5%), Verletzungen (15,7%) und Atemwegserkrankungen (15%) verursacht. Die Zahlen für diese Erkrankungen gehen jedoch seit Jahren zurück. Psychische Störungen nehmen hingegen hierbei von Jahr zu Jahr zu: Ihr Anteil am Krankenstand beträgt inzwischen 8,9%. Vor gut 30 Jahren lag dieser Anteil bei 2%. Langzeitfälle mit über 6-wöchiger Krankheitsdauer verursachen 42% aller Krankentage, obwohl sie nur 4% der Fälle ausmachen. Mit über 2 psychisch ausgelösten Krankheitstagen sind Sozialarbeiter, Telefonisten sowie Helfer in der Krankenpflege im Mittel doppelt so hoch belastet wie alle Beschäftigten insgesamt.
