10.04.2008

Wie Blutzellen Vitamin C im Körper recyceln

Der menschliche Körper kann Vitamin C zwar nicht selbst bilden, dafür besitzt er ein effektives System zur Wiederverwertung...

Über die notwendige Menge Vitamin C herrscht unter Experten mitunter Uneinigkeit, von den meisten Medizinern wird jedoch eine tägliche Menge von 1 Milligramm Vitamin C pro Kilogramm Körpergewicht als ausreichend empfohlen. Französische Wissenschaftler haben nun eine mögliche Erklärung dafür gefunden, warum der menschliche Körper nur vergleichsweise wenig Vitamin C über die Nahrung aufnehmen muss (Cell 2008, 132: Seite 1039). Die Forscher haben nämlich festgestellt, dass die roten Blutkörperchen große Mengen eines Transportmoleküls besitzen, das das Vitamin zum Recycling aus dem Blut in die Zellen schafft.

Rote Blutkörperchen transportieren Sauerstoff und versorgen so sämtliche Regionen des Körpers mit dem lebenswichtigen Gas. Darüber hinaus spielen sie jedoch offenbar auch eine wichtige Rolle bei der Versorgung mit Vitamin C. Die meisten Säugetiere können Vitamin C direkt aus Zuckermolekülen bilden, lediglich der Mensch und einige Affen- und Fledermausarten haben ein dazu notwendiges Enzym im Laufe der Evolution verloren. Um diesen Enzymmangel auszugleichen, muss der menschliche Körper deshalb über die Nahrung Vitamin C bzw. eine oxidierte Vorstufe davon aufnehmen. Die oxidierte Form wird dann innerhalb der roten Blutkörperchen in das aktive Vitamin umgewandelt, das die Zellen des Körpers vor aggressiven Radikalen schützt.

Blutzellen sorgen für Wiederverwertung von Vitamin C

Die Aufnahme der oxidierten Form des Vitamin C ist beim Menschen den neuen Ergebnissen aus Frankreich zufolge besonders effektiv. Denn die roten Blutkörperchen besitzen über 200.000 Transportmoleküle, die die Vitamin-C-Vorstufe in die Zellen befördern. Damit lässt sich erklären, warum der Mensch pro Tag lediglich etwa 70 bis 90 Milligramm Vitamin C zu sich nehmen muss, während beispielsweise eine Ziege in ihrer Leber 8 bis 10 Gramm pro Tag selbst produziert. „Der menschliche Körper hat anscheinend aus der Not eine Tugend gemacht und ein hocheffektives Vitamin-C-Recycling-System entwickelt", erklärt Prof. Reiner Hartenstein vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI). Anstelle verbrauchtes Vitamin C immer wieder neu zu bilden, würde einfach das verbrauchte wieder in die roten Blutkörperchen aufgenommen und dort wieder aktiviert. 

„Den größten Teil seines Vitamin-C-Bedarfs deckt der Körper also selbst, indem er das Vitamin wiederverwertet", folgert Prof. Hartenstein. Eine zusätzliche Ergänzung der Nahrung mit Vitamin C sei deshalb in der Regel nicht notwendig. „Eine vitaminreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse versorgt den Körper mit ausreichend Vitaminen", so der Mediziner.