18.05.2011

Wie sich eine Herzschwäche nach Herzinfarkt vermeiden lässt

Das Ausschalten bestimmter Rezeptoren der Herzmuskelzellen kann vor einer Herzschwäche nach Herzinfarkt schützen, berichten Kardiologen der MHH in Hannover.

Bisher machte man sie für chronische Herzschwäche verantwortlich, jetzt haben Forscher sie auch als Bösewichte beim akuten Herzinfarkt identifiziert: Gemeint sind Mineralocorticoid-Rezeptoren in Herzmuskelzellen. Forscher der Klinik für Kardiologie und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) konnten gemeinsam mit Würzburger und Heidelberger Kollegen erstmals zeigen, dass das Ausschalten dieser Rezeptoren vor einer Herzschwäche nach einem Herzinfarkt schützt (siehe Circulation 2011, Band 123, Seite 400-408).

Ein akuter Herzinfarkt entsteht durch den Verschluss eines Herzkranzgefäßes. Bei betroffenen Patienten wird daher umgehend das Kranzgefäß im Herzkatheterlabor wiedereröffnet. Dies kann eine nachfolgende Herzschwäche allerdings oft nicht verhindern, da infolge des Herzinfarktes schon nach wenigen Stunden viele Herzmuskelzellen absterben und sich nicht mehr regenerieren. Ist das Herz erst einmal geschwächt, gibt es derzeit keine Hoffnung auf Heilung. „Bisher haben wir nur Medikamente wie Beta-Blocker oder ACE-Hemmer, die das Fortschreiten der Erkrankung verzögern und dazu führen, dass die Patienten länger leben", erläutert Prof. Dr. Johann Bauersachs, Direktor der MHH-Klinik für Kardiologie und Angiologie. Insofern gehört die Herzschwäche nach wie vor zu den Haupttodesursachen in westlichen Ländern. Wenn auch von so genannten Mineralocorticoid-Rezeptorantagonisten bereits bekannt war, dass sie bei chronischer Herzschwäche positive Effekte bewirken, blieb bisher unklar, ob dabei Mineralocorticoid-Rezeptoren (MR) am Herzen eine vermittelnde Rolle spielen und ob eine frühe Behandlung nach einem Herzinfarkt die Ausbildung einer Herzschwäche verhindern kann.

Das Team um Prof. Bauersachs konnte nun zeigen, dass MR in Herzmuskelzellen für viele negative Prozesse nach einem Herzinfarkt verantwortlich sind. Schalteten sie diese Rezeptoren bei Mäusen aus, folgten nach einem Herzinfarkt seltener sowohl Erweiterungen des Herzens als auch Herzschwäche. Sehr schnell nach dem Infarkt war zu sehen, dass weniger Herzmuskelzellen abstarben, sich die Infarktnarbe weniger ausdehnte und die Pumpfunktion des Herzens besser erhalten blieb.

„Die Ergebnisse lassen uns auf eine bessere Therapie nach Herzinfarkt hoffen, die einer Herzschwäche vorbeugen kann", erklärt Prof. Bauersachs. In einer klinischen Studie mit frischen Herzinfarkt-Patienten untersuchen die Wissenschaftler nun den Effekt der sofortigen Gabe eines bisher nur bei bereits ausgeprägter Herzschwäche eingesetzten MR-Antagonisten. Mitte des Jahres sollen die ersten Patienten an der MHH und anderen Kliniken mit diesem erfolgversprechenden Ansatz behandelt werden. „Die Studie ist aufwändig, weil die Betroffenen bereits in den ersten 12 bis 24 Stunden nach dem Herzinfarkt behandelt werden müssen", meint Prof. Bauersachs. Dennoch sei es immer besser, eine Herzschwäche von vornherein zu verhindern, als sie erst dann mühsam zu behandeln, wenn der Patient schon darunter leidet.

Quelle: Medizinische Hochschule Hannover (MHH)