06.05.2009
Zahl der Schweinegrippe-Fälle in den USA sprunghaft gestiegen
Bislang sind über 640 Menschen erkrankt und 2 gestorben. Experten erwarten einen weiteren Anstieg...
In den USA ist die Zahl erfasster Schweinegrippe-Fälle sprunghaft gestiegen. Die US-Gesundheitsbehörde CDC sprach am Mittwoch von 642 Fällen in 41 der 50 Bundesstaaten. Noch am Montag hatte die Behörde lediglich 286 Fälle gemeldet. In Mexiko stieg die Zahl der Todesfälle durch die Schweinegrippe deutlich. Bei insgesamt 42 Gestorbenen sei das neue H1N1-Virus inzwischen nachgewiesen worden, berichtete Gesundheitsminister José Ángel Córdova. Bis Dienstag waren in Mexiko 29 Todesfälle gezählt worden.
Bei den zusätzlichen Fällen handelt es sich aber nicht um neue Todesfälle, sondern um die Ergebnisse von Laboruntersuchungen, in denen nachgewiesen wurde, dass die Betroffenen mit dem Schweinegrippevirus infiziert waren. Auch die USA hatten einen 2. Todesfall durch die Schweinegrippe gemeldet. Am stärksten betroffen von den Infektionen ist der Staat Illinois, wo 122 Fälle bekannt wurden.
Unterdessen haben die Gesundheitsbehörden von Mexiko die Sicherheitsmaßnahmen zur Eindämmung der Schweinegrippe zurückgestuft. Die Alarmstufe wurde von "Orange" auf "Gelb" gesenkt, was eine weitgehende Rückkehr zur Normalität in dem Land erlaube, teilte das Epidemiologische Institut in Mexiko-Stadt am Mittwochabend mit. Die mexikanische Regierung hatte zuvor bereits die Wiederaufnahme des Unterrichts an den Oberschulen und Universitäten des Landes für diesen Donnerstag angekündigt. Durch die Absenkung der Warnstufe können Restaurants, Clubs oder Sportstadien wieder öffnen - allerdings dürfen sie nur die Hälfte der Menschen einlassen, die sie normalerweise unterbringen könnten. Die Behörden riefen auch dazu auf, sich weiterhin durch hygienische Maßnahmen vor einer möglichen Ansteckung zu schützen.
Zwei Todesfälle in den USA
Der 2. Todesfall in den USA betraf eine etwa 30 Jahre alte Frau in Texas, die vor der Infektion unter chronischen Gesundheitsproblemen gelitten habe, teilten die Gesundheitsbehörden des US-Bundesstaates mit. Sie habe in der Nähe der mexikanischen Grenze gelebt und sei bereits vergangene Woche gestorben. In Texas war auch ein aus Mexiko stammendes Kleinkind dem Virus erlegen. Die Gesamtzahl der Schweinegrippe-Todesfälle liegt damit bei 44. Ungeachtet der weltweiten Ausbreitung der Krankheit registrierten aber bislang lediglich Mexiko und die USA Todesfälle. Die US-Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius erwartet einen weiteren Anstieg der Infektionen und auch weitere Todesfälle.
In Europa wurden vom EU-Seuchenkontrollzentrum ECDC mehr als 120 Fälle in 13 Ländern registriert. Mindestens 17 dieser Patienten haben sich im Heimatland angesteckt und waren nicht zuvor in Mexiko, darunter auch 2 deutsche. In Deutschland hat das Robert Koch-Institut (RKI) 10 Schweinegrippe-Fälle gezählt. In Schweden bestätigte sich der Schweinegrippe-Verdacht bei einem USA-Reisenden, wie das staatliche Epidemie-Institut in Stockholm mitteilte. Bisher hatte es in Nordeuropa lediglich eine Erkrankung in Dänemark gegeben. Erstmals meldeten auch die Behörden in Polen und Guatemala jeweils eine Infektion mit Schweinegrippe.
Impfstoff-Produktion frühestens nächste Woche
Der Startschuss für die internationale Herstellung eines Impfstoffs gegen das Schweinegrippevirus wird frühstens in der kommenden Woche fallen. Darauf hat am Mittwoch die Impfexpertin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Marie-Paule Kieny, verwiesen. Eine Expertengruppe bei der WHO müsse die Entscheidung anhand der bis dahin gesammelten Daten über die Entwicklung des Virus treffen, sagte Kieny vor Journalisten in Genf. Zu berücksichtigen sei dabei stets auch die Herstellung des normalen Impfstoffes für die üblichen Grippewellen.
