Mikrobiologische Therapie

Ursprung

Bei der mikrobiologischen Therapie werden Mikroorganismen, d.h. Kleinstlebewesen wie Bakterien, Viren, Pilze usw., deren Bestandteile oder Stoffwechselprodukte verabreicht. Bereits im 19. Jahrhundert verwendeten Therapeuten abgetötete Viren oder Bakterien zur Abwehrsteigerung bei infizierten Patienten. Durch die Entwicklung der Antibiotika geriet dieses Verfahren in Vergessenheit und wurde erst in den 1950er Jahren wiederentdeckt.

Heute ist die mikrobiologische Therapie etabliert. Sie findet insbesondere in der Kinderheilkunde Anwendung bei Infektionsanfälligkeit und allergischen Erkrankungen. Bei Erwachsenen wird sie bei chronischen Erkrankungen eingesetzt.

Wirkprinzip & Durchführung

Mit der oralen oder injizierten Verabreichung von Mikroorganismen lassen sich zahlreiche Vorgänge des Immunsystems anstoßen. Diese Therapie wird daher auch Immunmodulation genannt. Dabei wird davon ausgegangen, dass der Darm, der 70% der Immunzellen beherbergt, das wichtigste Zielorgan ist. Daneben kommt der Vaginalflora besondere Bedeutung zu. Durch die tägliche Gabe soll das körpereigene Abwehrsystem in die Lage versetzt werden, ein ungünstiges Keimspektrum nachhaltig zu verdrängen. Darüber hinaus wird z.B. bei allergischen Erkrankungen die Fehlregulation normalisiert und die übermäßigen Abwehrreaktionen eingedämmt. Je nach ausgewählten Mikroorganismen und Stoffwechselprozess kann der Abwehrmechanismus unspezifisch oder spezifisch angesprochen werden.

Der Behandlung geht eine Untersuchung von Blut, Stuhl oder auch der Vaginalflora voraus. Die Auswahl der Mittel erfolgt je nach Beschwerdebild und Reaktionslage des Patienten. Ein bekanntes Beispiel ist die orale Gabe von Laktobazillen und Bifidobakterien, die die Verträglichkeit von Milchprodukten bei Patienten mit Milchzuckerunverträglichkeit (Laktose-Intoleranz) verbessern soll.

Anwendungsgebiete

  • Allergische Erkrankungen: Heuschupfen, Asthma, Nahrungsmittelallergie, Neurodermitis usw.
  • Akute und chronische Infekte: Infektion des Urogenitaltraktes, Pilzinfektionen der Haut- oder Vagina usw.
  • Darmerkrankungen: Laktose-Intoleranz, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Durchfall usw.
  • Rheumatische Erkrankungen
  • Chemo- und Strahlentherapie: Zur Linderung der Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt (Übelkeit, Erbrechen usw.)
  • Krankhafte Veränderungen der Vagina: Vaginale Beschwerden, Harnwegsinfekte, Frühgeburtsvorsorge usw.
  • Förderung der frühkindlichen Entwicklung

Wie wirksam ist die Mikrobiologische Therapie?

Der positive Effekt auf das Immunsystem konnte für verschiedene Krankheiten in zahlreichen wissenschaftlichen Studien belegt werden.

Besonderheiten

Bei Autoimmunerkrankungen, Fieber unklarer Ursache und Immundefekt-Erkrankungen (AIDS, Leukämie usw.) sowie bei Einnahme immununterdrückender Medikamente wird von einer Behandlung mit Mikroorganismen abgeraten. Während oral verabreichte Substanzen in der Regel gut vertragen werden, sollten die Patienten nach injizierten Präparaten für 30 Minuten wegen möglicher Überreaktionen unter ärztlicher bzw. therapeutischer Beobachtung bleiben.

Die mikrobiologische Therapie kann gut mit einer Ernährungs- oder Phyto-Therapie kombiniert werden. Auch eine gleichzeitige antimykotische Behandlung, insbesondere die Verabreichung von Hefen der Gattung Candida, ist in manchen Fällen hilfreich.

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