19.04.2009
4. Europäische Impfwoche: Mediziner warnen vor Impfmüdigkeit
Ärzte bemängeln fehlendes Wissen und mangelhafte Kostenerstattung...
Impfungen sind für Menschen in jedem Lebensalter ein unverzichtbarer Schutz vor Krankheiten. Angesichts sinkender Impfraten fordern ärztliche Berufsverbände anlässlich der Europäischen Impfwoche eine verbesserte Kostenerstattung von Impfungen und Aufklärung.
„Schutzimpfungen sind für die Gesundheit der Bevölkerung außerordentlich wichtig und sollten daher keinesfalls vernachlässigt werden. Aus medizinischer Sicht ist Impfprävention für eine optimale Gesundheitsvorsorge unerlässlich, um die Ausbreitung gefährlicher Krankheitserreger zu verhindern", sagt Dr. Wolfgang Wesiack, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI). Um die Impfmoral der Menschen zu verbessern, seien auch die Krankenkassen gefordert: „Obwohl die Kassen ihre Vorsorgeprogramme ausweiten, müssen immer noch viele Patienten Impfungen, z.B. gegen Hepatitis A und B oder FSME, aus eigener Tasche bezahlen - dies trägt erheblich zur Impfmüdigkeit bei. So lassen sich in Deutschland immer noch zu wenige Menschen gegen Hepatitis A impfen - und das, obwohl die Zahl der Hepatitis-A-Fälle in Deutschland erstmals seit Jahren wieder angestiegen ist", kritisiert Wesiack. Mehr als die Hälfte der Patienten hätten sich nach Angaben des Robert-Koch-Instituts innerhalb Deutschlands angesteckt.
Insgesamt erstatten rund 70 Kassen die Kosten von Reiseimpfungen und damit auch einer Hepatitis-A-Impfung, darunter die Techniker und die Kaufmännische Krankenkasse, die Knappschaft und - als erste Ortskrankenkasse - die AOK plus. (Hier finden Sie eine Liste der Kassen, die Reiseimpfungen übernehmen.)
Impfmüdigkeit erhöht Krebsgefahr
Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens IMS Health haben sich die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für manche Impfungen im Dezember 2008 im Vergleich zum Vorjahr mehr als halbiert. Offenbar lassen sich seit einigen Monaten deutlich weniger Mädchen und Frauen gegen HP-Viren (Humane Papillomviren), die Auslöser von Gebärmutterhalskrebs impfen. „Dazu trägt sicherlich die unsachliche Berichterstattung und öffentliche Diskussion über Nebenwirkungen der Impfung bei - die oft jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrt", mahnt Dr. Michael Wojcinski von der Arbeitsgemeinschaft Impfen des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF).
Diese beunruhigende Entwicklung gefährdet den Kampf gegen eine Krebserkrankung, an der in Deutschland jährlich über 6.000 Frauen erkranken und fast 2.000 sterben. Dazu kommt eine erheblich höhere Zahl an Frauen, die operative Eingriffe aufgrund von Krebsvorstufen in Kauf nehmen müssen, die Komplikationen nach sich ziehen und auch eine Schwangerschaft gefährden können. „Eine umfassende, sachliche Aufklärung von Mädchen und Eltern über die medizinische Bedeutung der HPV-Impfung muss das Ziel sein. Die Immunisierung gegen die 2 krebsauslösenden HP-Viren ist eine hervorragende Chance, den Ausbruch dieser ernsten Erkrankung zu verhüten. Wissenschaftliche Fachgesellschaften und auch die Ständige Impfkommission (STIKO) sind sich einig, dass die HPV-Impfung wirksam und gut verträglich ist", so der Impfexperte des BVF.
Auch Tetanus-Impfraten zu gering
Auch bei anderen Impfungen gehen die Impfraten zurück. So schätzt das Robert Koch-Institut in Berlin, dass bei Erwachsenen lediglich die Hälfte der empfohlenen Tetanus-Impfungen vorgenommen wird. Dabei sinkt die Impfrate mit steigendem Alter: Während noch über 60% der 30- bis 39-Jährigen einen ausreichenden Impfschutz gegen Tetanus haben, sind es bei den über 70-Jährigen nur noch 40%. Zuletzt war im Sommer 2007 eine 86-jährige Frau an einer Tetanus-Infektion als Folge leichter Schürfverletzungen nach einem Sturz gestorben.
