13.05.2012

Abendliche Einnahme von Bluttdrucksenkern manchmal effektiver

Bestimmte Hypertonie-Patienten erzielen eine bessere Wirkung mit ihren blutdrucksenkenden Medikamenten, wenn sie diese abends anstatt morgens einnehmen. Darauf weist der BNK hin.

Bestimmte Patienten mit Bluthochdruck können die Wirkung ihrer blutdrucksenkenden Medikamente verbessern, wenn sie diese am Abend einnehmen. Darauf machen die Kardiologen vom Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK) anlässlich des Welt-Hypertonie-Tags am 17. Mai aufmerksam. „Normalerweise fällt der Blutdruck bei gesunden Menschen nachts leicht ab und steigt gegen Morgen wieder etwas an", erläutert Dr. med. Norbert Smetak, Bundesvorsitzender des BNK und praktizierender Kardiologe in einer fachärztlichen Gemeinschaftspraxis für Innere Medizin, Kardiologie und Angiologie in Kirchheim. „Deshalb wird Patienten mit Bluthochdruck in der Regel empfohlen, ihre Medikamente morgens einzunehmen. Es gibt aber Ausnahmen von dieser Regel: Insbesondere bei Patienten mit Diabetes, Nierenschwäche, Schlafapnoe und besonderen Hypertonie-Formen kann der natürliche Rhythmus mit Tag-Nacht-Schwankungen des Blutdrucks gestört sein und sich sogar umkehren. Bei diesen Menschen ist die nächtliche Absenkung des Blutdrucks (die Mediziner als dip bezeichnen) aufgehoben (sog. non-dipper) oder kann sogar in ihr Gegenteil verkehrt sein (inverted dipper, die nachts die höchsten Blutdruckwerte aufweisen).

Anpassung des Einnahmezeitpunkts optimiert die Blutdruckkontrolle

Solche Non-Dipper oder Inverted Dipper lassen sich durch eine 24-Sunden-Blutdruckmessung erkennen, bei der ein mobiles Gerät tagsüber alle 15 Minuten (nachts alle 30 Minuten) automatisch die Blutdruckwerte aufzeichnet, ohne den Patienten von der Verrichtung seiner alltäglichen Tätigkeiten bzw. Nachtschlaf abzuhalten. „Eine Anpassung des Einnahmezeitpunkts der blutdrucksenkenden Medikamente an den natürlichen, zirkadianen Rhythmus des Patienten wirkt sich günstig auf die Blutdruckkontrolle aus und damit auch auf das Risiko einer kardiovaskulären Erkrankung", betont Smetak. „Insbesondere bei  Patienten mit fehlendem nächtlichem Blutdruckabfall oder einem Blutdruckanstieg kann die abendliche Einnahme der Medikamente dazu beitragen, den Blutdruck zu normalisieren und die physiologische zirkadiane Rhythmik - also ein normales Dipping-Profil - wieder herzustellen. Voraussetzung ist natürlich, dass im Vorfeld eine behandelbare Ursache wie z.B. eine Schlafapnoe ausgeschlossen bzw. ausreichend behandelt worden ist. Besonders günstig erweist sich die abendliche Einnahme übrigens bei Patienten, deren Blutdruck sich auch mit drei oder mehr Medikamenten nicht ausreichend senken lässt. Durch das Verschieben der Einnahme vom Morgen auf den Abend kann der obere Wert meist schon um etwa 10 mm Hg gesenkt werden."

Bei Älteren mit ausgeprägter Gefäßverkalkung allerdings Vorsicht geboten

Allerdings sind nicht alle blutdrucksenkenden Medikamente für eine abendliche Einnahme geeignet. „Betablocker zum Beispiel, die einen Blutdruckanstieg durch Hemmung der Stresshormone verhindern sollen, erzielen die beste Wirkung am Morgen, da die Konzentration der Hormone vormittags am höchsten ist. Vorsicht geboten ist außerdem bei älteren Menschen mit einer ausgeprägten Gefäßverkalkung. Diese sollten lieber die Einnahme am Morgen beibehalten, da ein  verstärkter Blutdruckabfall nach abendlicher Medikation gefährliche Durchblutungsstörungen bei ihnen verursachen kann", warnt Smetak.