10.10.2018

Arthrose wird auch durch körpereigene Enzyme mit verursacht

Auch körpereigene, abbauende Enzyme sind an der Entstehung und dem Fortschreiten von Arthrose beteiligt. An verbesserten Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten arbeiten Forscher in Frankfurt.

In Deutschland sind mehr als 50 Prozent der Frauen und ein Drittel der Männer über 60 Jahren von Arthrose betroffen. Millionen Menschen kämpfen Tag für Tag mit Schmerzen, Entzündungen, Schwellungen und Bewegungseinschränkungen. Die Behandlungskosten für Arthrose belasten das Gesundheitssystem nach Expertenschätzung jährlich mit rund sieben Milliarden Euro, verbunden mit hohen Ausfallzeiten am Arbeitsplatz und Frühverrentung. Trotzdem ist das Problem Arthrose in der Öffentlichkeit viel zu wenig bekannt, wird viel zu wenig Geld in die Erforschung dieser Volkskrankheit investiert. Von Frankfurt aus will die Deutsche Initiative Arthroseforschung jetzt Weichen stellen, die Behandlungsmöglichkeiten für diese Volkskrankheit zu verbessern.

Lange dachten Forscher, Arthrose sei vor allem die Folge von Gelenkverschleiß. Heute gilt als sicher: auch aggressive körpereigene Enzyme sind wesentlich an der Entstehung und dem Fortschreiten der Krankheit beteiligt. Im Forschungsbereich für Arthrose an der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim in Frankfurt arbeiten Wissenschaftler und Kliniker an den Behandlungsmethoden der Zukunft, vor allem aber an Möglichkeiten, um Arthrose in einem sehr frühen Stadium zu diagnostizieren.

„Die Arthroseforschung konzentrierte sich in der Vergangenheit ausschließlich auf die Verbesserung des Gelenkersatzes", erläutert Prof. Dr. Andrea Meurer, Ärztliche Direktorin der Orthopädischen Universitätsklinik. „Zudem fehlte das Geld: Bei der Finanzierung medizinischer Forschungsprojekte haben in der Regel Studien zu Krebs, Diabetes oder Herzkrankheiten Vorrang, weil sie häufiger junge Menschen betreffen, akut lebensbedrohlich sein können und hohe Kosten verursachen", so Frau Prof. Meurer.

Um die patientennahe Arthroseforschung zu fördern, wurde 2016 eine neue Abteilung für Arthroseforschung innerhalb der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim gegründet. Der Biochemiker und Molekularbiologe Prof. Dr. Frank Zaucke ist Leiter dieser Abteilung und gehört zu den wenigen Wissenschaftlern in Deutschland, die sich als Grundlagenforscher dieser Krankheit widmen. Finanziert wurde der Forschungsbereich bisher weitgehend aus einer 4,2 Millionen Euro-Spende der Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung.

Die Suche nach besseren Diagnose- und wirkungsvolleren Behandlungsmöglichkeiten von Arthrose kam bisher aber nur langsam voran. „Unser wichtigstes Ziel ist, die Krankheit bereits in einem frühen Anfangsstadium zu erkennen, ihren Verlauf zu verlangsamen und so den Gelenkersatz zu verhindern“, erklärt Zaucke. Ein Ansatzpunkt ist dabei die Identifizierung von Abbauvorgängen, die schon vor einer radiologisch möglichen Diagnose stattfinden. Beim Abbau des Knorpels entstehen Fragmente, die zum einen als prognostische Biomarker für die Erkrankung dienen, zum anderen kann die Hemmung der abbauenden Enzyme das Fortschreiten und die Ausprägung der Erkrankung verlangsamen. Aktuell tüfteln die Wissenschaftler in Frankfurt auch an einer Methode, mit der sich winzige Knorpeldefekte reparieren lassen. „Das funktioniert ein bisschen wie eine Füllung beim Zahnarzt“, berichtet Prof. Zaucke. In Zukunft sollen in Frankfurt Behandlungsstrategien entwickelt werden, um möglichst vielen Patienten auch ohne Gelenkersatz wirksam helfen zu können.

Quelle: Orthopädische Universitätsklinik Friedrichsheim in Frankfurt

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