07.06.2009

Aspirin gehört nicht in Reiseapotheke

Für eine Reise in die Tropen sind Ibuprofen oder Paracetamol besser geeignet...

Reisende in tropische Regionen sollten bei akuten Erkrankungen unterwegs kein Aspirin einnehmen, rät der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI). Grund ist der darin enthaltene Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS), der die Auswirkungen bestimmter tropischer Infektionskrankheiten verschlimmern kann.

ASS wird in erster Linie gegen Schmerzen und Entzündungen eingesetzt, sowie zur Blutverdünnung, z.B. bei Patienten mit Durchblutungsstörungen oder nach einem Herzinfarkt. Hier verhindert es, dass sich bestimmte Blutzellen - die Blutplättchen - aneinanderlagern, und erschwert somit die Bildung von Blutgerinnseln. Allerdings fördert es  auch die Blutungsneigung. „Die Einnahme von ASS erhöht die Gefahr von Blutungen bei einigen tropischen Infektionen wie beispielsweise beim Dengue-Fieber. Darüber hinaus kann ASS einen Abfall der Blutplättchen bei einer Infektion verstärken, einer gefürchteten Begleiterscheinung der schweren Malaria", warnt Prof. Thomas Löscher vom BDI und Leiter des Münchner Tropeninstituts.

Studie: Blutplättchen zerstören infizierte Blutzellen

Wie wichtig gerade die Blutplättchen, die so genannten Thrombozyten, im Verlauf einer Malaria-Infektion sein könnten, haben kürzlich australische Wissenschaftler in Versuchen mit Zellkulturen festgestellt. Demnach binden die Blutplättchen bevorzugt an die roten Blutkörperchen, die vom Malaria-Erreger befallen sind, und töten die Parasiten ab (Science 2009, Band 323: Seite 797). Zudem starben mit ASS behandelte Mäuse häufiger an der Infektion. Ob diese Wirkung von ASS auch beim Menschen den Krankheitsverlauf beeinflusst, ist allerdings noch unklar.

„In jedem Fall hat ASS in der Reiseapotheke von Tropenurlaubern nichts zu suchen - es sei denn, ein Arzt hat die Einnahme von ASS in niedriger Dosierung (bis 100 Milligramm am Tag) bei Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße oder anderer Blutgefäße verordnet", rät Prof. Löscher. Insbesondere in Gebieten, in denen Malaria, Dengue-Fieber sowie hämorrhagische Fieber wie Ebola oder das Marburg-Fieber vorkommen, werde von einer ASS-Einnahme abgeraten: „Grundsätzlich sind in Risikogebieten Mittel wie Paracetamol oder Ibuprofen besser als Fieber-senkende Mittel geeignet", so der Infektions- und Tropenmediziner.

 

 

 

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