19.02.2021

Auch für Herzpatienten besonders wichtig - die COVID-19-Impfung

Patienten mit Herzerkrankungen haben ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 und sollten daher unbedingt zeitnah geimpft werden.

Jeder dritte Mensch, der wegen einer COVID-19-Erkrankung stationär behandelt werden muss, hat kardiovaskuläre Vorerkrankungen. Von denjenigen Patientinnen und Patienten, die mit COVID-19 stationär versorgt werden, leiden 58 Prozent an Bluthochdruck, 28 Prozent an Diabetes, 27 Prozent an Herzrhythmusstörungen und 20 Prozent an einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Diese kardiovaskulären Begleiterkrankungen sorgen dafür, dass das Risiko zu versterben mit 13,3 Prozent beinahe doppelt so hoch ist, wie bei im Krankenhaus behandelten COVID-Patienten ohne kardiovaskuläre Vorerkrankungen (Sterblichkeit von 7,6 %). Diese Situation wird nicht nur in Deutschland beobachtet, sondern stellt sich auch in anderen Ländern ähnlich dar. Eine Herzerkrankung erhöht damit das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf mit hohem Sterberisiko auch bei jüngeren COVID-19 Patienten vergleichbar mit Patienten im hohen Lebensalter (> 75 Jahre).

Dennoch sind Herzpatientinnen und -patienten in den aktuellen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) nur in die vierte von sechs Impfgruppen eingeordnet worden. Lediglich herztransplantierte Personen werden bereits in der dritten Gruppe geimpft. Ihr Risiko für einen schweren Verlauf einer COVID-19-Erkrankung liegt allerdings auch bei nahezu 40 Prozent und fast neun von zehn der schwer an COVID erkrankten Herztransplantierten versterben.

„Wir bedauern sehr, dass Menschen mit Herzerkrankungen in Deutschland erst so spät geimpft werden“, erklärt der Präsident der Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK), Prof. Dr. Andreas Zeiher. „Auch wenn unter den älteren Personen, die jetzt geimpft werden, viele Herzpatientinnen und -patienten sind, ist doch der überwiegende Teil der Herzerkrankten nicht über 80 und fällt damit zunächst durch das Impfraster.“ Wer unter den genannten Herzkrankheiten leide, könne besonders von einer Impfung profitieren. „Eine frühzeitige Impfung von Patienten mit Herzerkrankungen wird auch mittelfristig zu einer deutlichen Entlastung des Gesundheitssystems führen, sind kardiovaskuläre Vorerkrankungen doch mit einer erheblich erhöhten Notwendigkeit für intensivmedizinische Behandlungen im Rahmen von COVID-19 assoziiert.“

Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen sollten sich unbedingt impfen lassen, sobald es möglich ist, rät Prof. Zeiher. Wer bezüglich der Sicherheit der neuen Impfstoffe noch unsicher sei, kann beruhigt werden: „Der Nutzen der Impfung überwiegt bei weitem die möglichen Nebenwirkungen“, betont Prof. Zeiher.

Dies stützen auch die Daten des Paul-Ehrlich-Instituts, die am 14. Januar veröffentlicht wurden. Bisher wurden laut Paul-Ehrlich-Institut, das über alle Verdachtsfälle von Nebenwirkungen der Impfung informiert werden muss, insgesamt 0,53 Verdachtsfälle pro 1000 Impfdosen von unerwünschten Ereignissen im Zusammenhang mit der Impfung gemeldet. Der überwiegende Anteil waren Fälle milder Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schmerzen an der Einstichstelle und Müdigkeit. Allergische Reaktionen wurden lediglich bei sechs Personen beobachtet, also bei 0,98 Fällen pro 100.000 Impfdosen oder 0,00098 Prozent. „Die Impfung kann somit als ungefährlich gelten“, bestätigt auch der DGK-Pressesprecher Prof. Dr. Michael Böhm. „Die Rate von anaphylaktischen Ereignissen liegt damit deutlich unter der anderer Medikamente, beispielsweise der viel häufiger verwendeten Antibiotika-Infusionen.“

Prof. Zeiher bekräftigt: „Die neuen Impfstoffe sind sicher und gerade für Herzpatientinnen und Herzpatienten ein Segen. Wer kann, sollte die Gelegenheit zur Impfung unbedingt wahrnehmen!“

Gerade bisher nicht geimpfte, herzerkrankte Menschen sollten sich durch die bekannten Maßnahmen - wie Reduzierung der Kontakte, Abstand halten, Maske tragen, Händewaschen und regelmäßiges Lüften - vor einer Infektion schützen.

Besonders wichtig ist den Experten der DGK zudem: Bei jedem Anzeichen von einer Verschlechterung ihrer Herzerkrankung oder akuten kardiovaskulären Ereignissen, beispielsweise Herzinfarkten oder akuter Atemnot, sollte dringend und unverzüglich ein Arzt aufgesucht oder der Rettungsdienst alarmiert werden, denn an keiner anderen Ursache sterben in Deutschland mehr Menschen als an Herzerkrankungen.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.

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