10.06.2019

Auf dem Weg zu einer personalisierten Immuntherapie gegen Blutkrebs

Zur Entwicklung einer personalisierten Immuntherapie gegen Myeloproliferative Neoplasien (MPN) benötigt man Krebsantigene, die in Tumorzellen, nicht aber in gesunden Zellen vorkommen.

Kennzeichen einer bestimmten Art von Blutkrebs – der sog. Myeloproliferativen Neoplasien (MPN) – sind eine gesteigerte Bildung von Blutzellen, eine Anfälligkeit für Thrombosen und ein häufiger Übergang zu akuter Leukämie. Krebserregende Genveränderungen (Mutationen in den Genen JAK2, CALR und MPL u.a.) konnten bereits als Ursachen der MPN identifiziert werden. Obwohl die Krankheitsvorgänge bis ins Detail bekannt sind, bleibt eine Stammzellentransplantation bisher die einzige Heilbehandlung für nur wenige MPN-PatientInnen mit den passenden Voraussetzungen. Jetzt ist es gelungen, spezifische Angriffspunkte für Immuntherapien und für die mögliche Entwicklung einer Impfung ausfindig zu machen, berichten WissenschaftlerInnen des CeMM Forschungszentrums für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der MedUni Wien und der Universität Pavia (siehe Blood, Online-Veröffentlichung am 13.5.2019). Dazu wurde eine neuartige RNA-basierte Methode für die systematische Identifikation von Krebsantigenen entwickelt, die in den Tumorzellen, nicht aber in gesunden Zellen vorkommen.

Eine Bestimmung der Genabfolge (RNA-Sequenzierung) des Materials aus der Tumorbiopsie ist als Ausgangspunkt für die Entwicklung einer personalisierten Immuntherapie besonders effizient. Denn auf diese Weise können einerseits nur exprimierte und damit relevante Antigene identifiziert und andererseits eine Vielzahl unterschiedlicher Mutationsklassen entdeckt werden. Fusionsgene und Defekte im Spleißen sind beispielsweise Mutationsklassen, die vorrangig durch RNA-Sequenzierung systematisch dokumentiert werden können. In der genannten Studie konnte nun gezeigt werden, dass insbesondere an zwei Genorten (Mutationen im SF3B1-Gen, einem Spleißfaktor, sowie im CALR-Gen) eine große Anzahl an tumorspezifischen Peptiden produziert werden. Diese veränderten Peptide könnten als Grundlage für die Entwicklung von Krebsimpfstoffen dienen.

Robert Kralovics, Forschungsgruppenleiter am CeMM und korrespondierender Autor der Studie, äußert sich optimistisch: „Wir möchten zeigen, dass diese tumorspezifischen Antigene dazu fähig sind, eine Immunantwort hervorzurufen und somit ein geeignetes Ziel für T-Zellen darstellen, die in der Lage sind, Krebszellen zu eliminieren. Die Tatsache, dass in 62% der MPN-PatientInnen - und dies ist lediglich eine vorsichtige Schätzung - tumorspezifische Antigene gefunden wurden, lässt uns darauf hoffen, dass viele MPN-PatientInnen von diesem Forschungsansatz profitieren werden können.”

Quelle: CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

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