08.10.2014

Biologika gegen Rheuma auch bei vorherigem Krebs eine sichere Therapieoption

Experten geben Entwarnung: Gelenkrheumatiker mit einer zurückliegenden Krebserkrankung haben bei einer Biologika-Therapie kein erhöhtes Rückfallrisiko.

Lange Zeit standen gentechnisch hergestellte Rheuma-Medikamente - so genannte Biologika - unter Verdacht, das Risiko einer neuerlichen Tumorbildung bei Krebs-Patienten mit entzündlichem Gelenkrheuma zu erhöhen. In Großbritannien wurden Biologika daher sogar von der Behandlung in den ersten Jahren nach einer Krebserkrankung ausgeschlossen. Eine neue Auswertung entkräftet nun diese Bedenken. Die noch unveröffentlichten Ergebnisse beruhen auf Daten des deutschen Biologika-Registers RABBIT, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.

Die Behandlung von Menschen mit entzündlichem Gelenkrheuma, die zudem an Krebs erkrankt waren, ist für Ärzte eine besondere Herausforderung. „Die Aufgabe des betreuenden Rheumatologen ist es, die Krankheitsaktivität zu kontrollieren bei gleichzeitig minimalem Risiko für erneut auftretende Tumore", erklärt Dr. med. Anja Strangfeld vom Deutschen Rheuma-Forschungszentrum (DRFZ) Berlin. Das RABBIT-Register liefert dabei hilfreiche Informationen. Es erfasst in Deutschland seit 2001 die Krankheitsverläufe von fast 13.000 Patienten mit Rheumatoider Arthritis (RA), die eine Biologika-Therapie erhalten. Insgesamt werden derzeit deutschlandweit etwa 64.000 RA-Patienten mit Biologika behandelt.

Um das Krebsrisiko zu messen, werteten die Forscher um Dr. Strangfeld die RABBIT-Daten von 367 RA-Patienten aus, bei denen in der Vergangenheit eine Krebserkrankung diagnostiziert worden war. Gut ein Drittel hatte während der gesamten Beobachtungszeit nur synthetische Basistherapeutika (sDMARD) erhalten, einem Drittel wurde das Biologikum Rituximab, einem weiteren Drittel TNF-alpha-Inhibitoren verabreicht. Den übrigen wurden andere Biologika verabreicht. Ergebnis: Gelenkrheumatiker mit einer etwa drei bis sieben Jahre zurückliegenden Krebserkrankung haben bei einer Biologika-Therapie im Vergleich zur sDMARD-Behandlung kein erhöhtes Risiko für ein Krebsrezidiv. „Nach unseren Daten besteht daher kein Grund, Patienten mit vorherigen Krebserkrankungen die Therapie mit Biologika vorzuenthalten. Vor allem auch, weil eine hohe Krankheitsaktivität der rheumatischen Erkrankung ihrerseits ein hohes Risiko für Folgeerkrankungen birgt", betont Strangfeld.

Nicht abschließend geklärt sei das Risiko für das Auftreten von Hautkrebs unter einer TNF-Inhibitor-Behandlung. „Bisher liegen wenige Daten vor, die ein leicht erhöhtes Risiko zeigen: zwei zusätzliche Melanome je 10.000 Patientenjahre unter TNF-Inhibitor-Therapie", erläutert die Wissenschaftlerin. In einer aktuellen Studie gehen derzeit mehrere europäische Biologika-Register dieser Frage nach. Die Ergebnisse werden noch in diesem Jahr erwartet.

Dr. Strangfeld betont aber auch, dass RA-Patienten per se ein erhöhtes Risiko für verschiedene Krebsarten tragen. So sei zum Beispiel das Risiko für Lungenkrebs im Vergleich zu gesunden Menschen 2,4-fach erhöht, das für Lymphome 3- bis 13-fach, das für Melanome steigt um das 1,5-fache. „Wir empfehlen Patienten mit entzündlichem Gelenkrheuma daher, jährlich das Hautkrebs-Screening in Anspruch zu nehmen, sowie andere Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung wahrzunehmen", betont Strangfeld.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.