19.04.2016
Chronische Hepatitis C kann inzwischen gut behandelt werden
Seit Januar 2014 wurden sieben neue Medikamente zugelassen, die Patienten mit Hepatitis C in über 90 Prozent der Fälle von den Viren dauerhaft befreien. Das belegt auch eine erste Auswertung des Deutschen Hepatitis-Registers.
An chronischer Hepatitis C, einer Leberentzündung, die durch Viren übertragen wird und unbehandelt zu Leberzirrhose und Leberzellkrebs führen kann, leiden in Deutschland rund 250.000 bis 500.000 Menschen - viele wissen nichts davon! - weltweit sind es ca. 60 bis 105 Millionen. Seit Januar 2014 wurden sieben neue Medikamente zugelassen, die Patienten in über 90 Prozent der Fälle von den Viren dauerhaft befreien. „Eine hohe Wirksamkeit und sehr gute Verträglichkeit der neuen Medikamente gegen Hepatitis C belegen auch erste Auswertungen zur Sicherheit und Effektivität der neuen Therapien, die im ‚Deutschen Hepatitis C-Register‘ erhoben wurden, das im Herbst 2014 von der Deutschen Leberstiftung initiiert wurde", berichtet Dr. Dietrich Hüppe, wissenschaftlicher Leiter des Deutschen Hepatitis C-Registers (DHC-R) und praktizierender Gastroenterologe in einer Gastroenterologischen Gemeinschaftspraxis in Herne. Darauf weist der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) unter Berufung auf die Internetinformationsseite „Hepatitis C Eliminieren" hin.
Analysiert wurden die Daten von 7.422 Patienten, die ein Jahr nach dem Start des Registers von 233 Praxen und Kliniken dokumentiert wurden. Dabei wurden verschiedene HCV-Genotypen (1, 2, 3 und 4), besondere Patientengruppen (z.B. Patienten über 70 Jahre oder mit fortgeschrittener Leberzirrhose) und eine verkürzte Therapiedauer berücksichtigt. „Die Auswertungen der Registerdaten zeigen, dass die neuen Therapien bei der größten Patientengruppe (Genotyp 1a und 1b), aber auch bei älteren Menschen über 70 Jahre effektiv wirken, und dass sich die Leberfunktion auch bei fortgeschrittener Zirrhose bereits im Therapie-Verlauf und danach deutlich verbessert. Insofern dürften Lebertransplantationen künftig deutlich seltener notwendig werden. Die Wirksamkeit der neuen Medikamente ist außerdem bei einer von 12 auf 8 Wochen verkürzten Therapiedauer belegt worden, womit sich die Möglichkeit einer noch kürzeren Behandlung für viele Patienten eröffnet", erläutert Dr. Hüppe.
Die neuen direkt antiviral wirkenden Medikamente (DAA) greifen unmittelbar in die Vermehrung des Hepatitis C-Virus ein. Sie können dadurch häufiger und schneller eine dauerhafte Virenelimination erreichen als die bis 2014 eingesetzte, mit Interferon kombinierte Standardtherapie. „Darüber hinaus haben die neuen Medikamente weniger Nebenwirkungen, führen daher seltener zu Therapieabbrüchen und können bei deutlich mehr Patienten eingesetzt werden. Insgesamt können somit mehr Patienten mit größerem Heilungserfolg behandelt werden", betont Dr. Hüppe.
