30.05.2012
Depressiven Herzkranken fehlt das schützende Stresshormon Cortisol
Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit (KHK) schütten bei Stress zu wenig entzündungshemmendes Cortisol aus, vor allem wenn sie zusätzlich depressiv sind.
Menschen mit koronarer Herzerkrankung (KHK) leiden signifikant häufiger an einer Depression als Gesunde. Es ist auch bekannt, dass das Auftreten von Depressionen mit dem Fortschreiten der KHK oder dem Auftreten neuer Infarktereignisse assoziiert ist. Akute Depressionen sind mit einer verstärkten hormonellen Stressantwort verbunden (die sich u.a. in einem Anstieg der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-(HPA)-Achsen-Reaktivität ausdrückt). Chronische Depressionen führen demgegenüber unter Stress zu einer verminderten Hormonausschüttung (insbesondere von ACTH und Cortisol). Das Ziel einer aktuellen, experimentellen Studie (siehe Clinical Research in Cardiology 2012, Band 101/1) war die Untersuchung der akuten Stressreaktivität von KHK-Patienten in Abhängigkeit vom Grad der Depression.
Die Erstautorin der Studie, Dr. Christiane Waller von der Abteilung für Internistische Psychosomatik an der Universitätsklinikum Ulm hatte für ihre Untersuchung drei Teilnehmergruppen - 43 Herz-Kreislauf-Patienten mit und ohne Depressionen, sowie 11 gesunde Probanden - stressenden Situationen (freie Rede plus Rechentest vor einem Gremium) ausgesetzt. Stress und Angst wurden durch Fragebögen ermittelt, zusätzlich wurden mit Bluttests die Stresshormone Cortisol und ACTH (Adrenocorticotropes Hormon) gemessen.
Ergebnis: KHK_Patienten empfinden unter Stress zwar subjektiv die Belastung deutlich, allerdings kommt es bei ihnen gleichzeitig zu einer verminderten Ausschüttung des Stresshormons Cortisol, das auch eine entzündungshemmende Wirkung hat. Dieser so genannte Hypocortisolismus wird durch das Vorliegen einer chronischen Depression noch deutlich verstärkt. Dies könnte ein direkter Hinweis auf eine möglicherweise gesteigerte Entzündungs- und Immunantwort bei diesen Patienten sein, die das Fortschreiten einer KHK begünstigen würde. Die Studienergebnisse könnten zu einer Erklärung beitragen, warum KHK-Patienten häufiger an Depressionen leiden als Gesunde, und umgekehrt Depression mit dem Fortschreiten der KHK oder dem Auftreten neuer Infarktereignisse assoziiert sind.
Die depressiven Patienten waren signifikant mehr belastet und hatten mehr körperliche Beschwerden als die Patienten ohne Depression. Während das Plasma-ACTH keine deutlichen Unterschiede zwischen den drei Gruppen zeigte, war das Serum-Cortisol bei den Patienten mit Depression sowohl in Ruhe als auch kurz nach mentalem Stress erheblich reduziert im Vergleich zu den gesunden Probanden. Das Serum-Cortisol korrelierte negativ mit der Depression und der Angst sowohl in Ruhe als auch zum Zeitpunkt des maximalen Stresses.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK)
