15.05.2008

Durchlässige Darmwand bei Gluten-Unverträglichkeit

Rechtzeitig zum Welt-Zöliakie-Tag vermelden US-Mediziner einen wichtigen Fortschritt in der Erforschung der Gluten-Unverträglichkeit...

 Bild: Fingerförmige Auswüchse
der Darmwand (Darmzotten).Amerikanische Wissenschaftler haben neue wichtige Erkenntnisse darüber gewonnen, warum manche Menschen überempfindlich auf das Getreide-Eiweiß Gluten reagieren. Demzufolge ist die Darmwand bei einer Gluten-Unverträglichkeit durchlässig für teilweise verdaute Gluten-Moleküle, die so in den Körper gelangen und dort eine Überreaktion des Immunsystems hervorrufen können (PLoS One 2008, 3: e1857).

Die Forscher konnten zeigen, dass ein bestimmtes Gluten-Bruchstück, das durch die unvollständige Verdauung des Eiweißes im Magen entsteht, durch die Darmwand hindurch ins Blut gelangen kann. Auf diese Weise können auch an anderen Organen Begleiterkrankungen ausgelöst werden, wie z. B. Leber und Haut. Mit Hilfe eines speziellen Enzyms, das Gluten abbauen kann, ist es den Wissenschaftlern sogar gelungen, die Gluten-Unverträglichkeit zu verringern. Möglich gemacht hat dies die Entdeckung, dass Rhesus-Affen ebenfalls unter einer Gluten-Unverträglichkeit leiden können. Mit Hilfe dieser Tiere kann die Erkrankung nun genauer als bisher untersucht und neue Behandlungsmöglichkeiten erprobt werden.

„Die Möglichkeit, die Gluten-Unverträglichkeit an Tieren untersuchen zu können, ist in der Tat ein großer Fortschritt", bestätigt Prof. Richard Raedsch vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI). Zwar müssten die Befunde auch noch beim Menschen bestätigt werden, denn es sei nicht ausgeschlossen, dass es zwischen der Gluten-Unverträglichkeit beim Menschen und bei den Rhesus-Affen Unterschiede gibt. „In beiden Fällen ähneln sich die Symptome jedoch sehr stark, so dass wahrscheinlich auch die Krankheitsprozesse vergleichbar sind", folgert Prof. Raedsch.

 Bild: pixelioEine Gluten-Unverträglichkeit führt zu einer chronischen Entzündung und einer Störung der Darmwandstruktur, die massive Verdauungsstörungen, Durchfall oder Bauchschmerzen auslösen kann. Sie wird auch als Sprue oder Zöliakie bezeichnet. Gluten ist vor allem in Getreide, wie z. B. Weizen, Roggen, Hafer, Gerste oder Dinkel, enthalten. Viele Menschen haben jedoch keinerlei Symptome, obwohl sie die Veranlagung zu dieser Erkrankung besitzen. Eine Sprue muss durch eine lebenslange glutenfreie Ernährung behandelt werden, um schwerwiegende Folgekrankheiten zu verhindern.