12.08.2008

Endoskopischer Ultraschall macht Operationen überflüssig

Moderne Endoskope können die Folgen einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse  mildern...

Wenn es nach einer schweren Entzündung der Bauchspeicheldrüse zu Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum, den so genannten Pseudozysten kommt, mussten die Patienten bisher oft operiert werden. Heute ist es vielfach möglich, den Inhalt der Pseudozysten in Magen oder Dünndarm zu drainieren. Die Punktion erfolgt mithilfe eines Magenschlauchs (Gastroskop). Neuere Geräte sind sogar mit einer Ultraschallsonde versehen, was die Erfolgsrate erhöht (Zeitschrift für Gastroenterologie 2008, 46: Seite 555).

Auslöser der Pseudozysten sind Beschädigungen der Ausführungsgänge in der Bauchspeicheldrüse. Dadurch können aggressive Enzyme des Bauchspeichels in das umgebende Gewebe austreten und dieses schädigen. Es kommt zur Bildung einer Pseudozyste, die mit Sekreten, Blut und Geweberesten gefüllt ist. Pseudozysten können eine beträchtliche Größe erreichen und zu Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Gewichtsverlust führen. Durch einen künstlichen Ausführgang (Drainage) können die Ärzte vielen Patienten Erleichterung verschaffen.

Früher war dazu eine offene Bauchoperation erforderlich. Mit Hilfe eines Endoskops können Mediziner heute jedoch sie eine Verbindung zwischen Pseudozyste und Magen oder Dünndarm schaffen und eine Drainage legen. Doch zunächst müssen sie prüfen, ob es sich nicht um eine echte Zyste als Folge einer Krebserkrankung handelt. Diese darf nämlich nicht drainiert werden, da es sonst zur Ausbreitung von Tumorzellen kommt.

Endosonografie macht Krebserkrankungen sichtbar

Hier zeigen sich die Vorteile der Ultraschallsonde: Mit dem normalen Endoskop kann der Arzt die Pseudozyste nicht sehen, da sie hinter der Magenwand verborgen ist. Mithilfe des Ultraschalls kann der Arzt jedoch Lage und Aufbau der Pseudozyste genau beurteilen und die für Krebserkrankungen typischen Zwischenwände einer Zyste erkennen. Im Zweifelsfall kann er mit einer feinen Nadel aus der Zyste eine Probe der Flüssigkeit entnehmen und untersuchen lassen. Die Unterscheidung zwischen Pseudozyste und Krebserkrankung gelingt mit der Endosonografie so in bis zu 95% der Fälle.

Wenn der Arzt sicher ist, dass keine Krebserkrankung vorliegt, wird die Pseudozyste punktiert, um die Flüssigkeit in Magen oder Darm ablaufen zu lassen. Auf den hochauflösenden Bildern der Endosonografie können die Ärzte auch feinere Strukturen in der Umgebung von Magen und Darm erkennen. Dazu gehören beispielsweise der Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse und die Gallengänge in der Leber. Diese können ebenfalls mittels Endosonografie punktiert werden. Auf diese Weise kann ähnlich wie bei der Behandlung einer Pseudozyste ein "künstlicher" Abfluss in Magen oder Darm geschaffen werden.