22.03.2011
Erforschung des immunologischen Gedächtnisses geht voran
Zur weiteren Erforschung des immunologischen Gedächtnisses erhält das Deutsche Rheuma-Forschungszentrum in Berlin eine Förderung vom Europäischen Forschungsrat.
Wissenschaftler um Prof. Andreas Radbruch vom Deutschen Rheuma-Forschungszentrum Berlin (DRFZ), einem Institut der Leibniz Gemeinschaft, haben einen „Advanced Grant" des Europäischen Forschungsrates (ERC) bewilligt bekommen. Über fünf Jahre hinweg erhalten sie insgesamt 2,5 Millionen Euro, um das so genannte immunologische Gedächtnis weiter zu erforschen und dessen Rolle bei chronischen Entzündungen besser zu verstehen. Für die begehrte Förderung hatten sich mehr als 2000 Projekte beworben.
Die Aufgabe des immunologischen Gedächtnisses besteht darin, den Körper vor einer erneuten Infektion mit einem Krankheitserreger zu schützen, dem er schon einmal ausgesetzt war. Wie dieses Gedächtnis funktioniert, ist allerdings noch weitgehend unklar. Die Forscher des DRFZ haben hier in den vergangenen Jahren Pionierarbeit geleistet. Sie konnten zeigen, dass es spezielle Gedächtnis-Lymphozyten gibt, die im Knochenmark ein Menschenleben lang überleben können. Gedächtnis-Plasmazellen geben Antikörper ins Blut ab, die vor Krankheitserregern schützen, die wiederholt Infektionen verursachen. So warten Gedächtnis-T Lymphozyten nur darauf, dass „ihr" Krankheitserreger noch einmal auftaucht, um dann erneut eine heftige Immunantwort einzuleiten. Organisiert wird das immunologische Gedächtnis durch die Stromazellen des Knochenmarks, die dafür sorgen, dass die Gedächtniszellen am Leben bleiben und dass es nicht zu viele von ihnen gibt. Wie das im Einzelnen funktioniert, soll jetzt im Rahmen des ERC-Projektes geklärt werden.
Für die Forscher des DRFZ ist das immunologische Gedächtnis deswegen von Bedeutung, weil sie vermuten, dass es nicht nur schützt, sondern auch krank machen kann, z.B. bei im Fall von rheumatischen Entzündungen, Typ1-Diabetes, Multipler Sklerose, Darmentzündungen, anderen chronischen Entzündungskrankheiten oder auch bei Allergien. Interessanterweise wird das immunologische Gedächtnis durch die heute verfügbaren Therapien nicht ausgeschaltet. „Deshalb sind die meisten chronischen Entzündungen heute noch unheilbar", meint Andreas Radbruch. Seine Arbeitsgruppe sucht also die Achillesferse des krankmachenden (pathogenen) immunologischen Gedächtnisses, um es dann gezielt ausschalten zu können, und so chronische Entzündungen vielleicht eines Tages heilen zu können. Dank der Förderung des Europäischen Forschungsrates kann diese Forschung jetzt im Rahmen des Projektes IMMEMO (Protective and pathologic immunological memory and its organisation by stroma cells) energisch vorangetrieben werden.
Quelle: Deutsches Rheuma-Forschungszentrum Berlin
