06.04.2008
Experten warnen vor neuen Krankheiten in Europa
Klimatische Veränderungen können auch in Europa eine Ausbreitung von tropischen Infektionskrankheiten begünstigen...
Die globale Erwärmung könnte auch Folgen für Urlaubsziele in Europa und im Mittelmeerraum haben. „So gab es im letzten Sommer mehr als 200 Fälle von Chikungunya-Fieber in Nord-Italien, einer aus dem tropischen Afrika stammenden Virusinfektion, die durch Mücken übertragen wird. In der Türkei und in Russland erkrankten im gleichen Zeitraum mehrere hundert Menschen am so genannten Krim-Kongo-Fieber, eine vor allem in Asien und Afrika verbreitete Virusinfektion, die durch Zecken übertragen wird", sagt Prof. Thomas Löscher, Leiter des Tropeninstitutes in München. Auch aus anderen klimatisch eher gemäßigten Regionen der Erde werden durch Mücken übertragene Erkrankungen wie das Westnil-Fieber oder Dengue-Infektionen gemeldet, die dort bisher nie vorkamen. „Wir müssen also damit rechnen, dass Infektionskrankheiten, die bislang nur in den Tropen und Subtropen verbreitet waren, zukünftig auch in Europa auftreten können", warnt der Tropenmediziner.
Zahlreiche aktuelle Studien zeigen, dass die Verbreitung und Vermehrung von Krankheitskeimen sehr stark von der Temperatur und anderen klimatischen Faktoren abhängig sind. „Wenn sich die Lebensbedingungen für die übertragenden Insekten, z. B. Stechmücken und Zecken, aufgrund der globalen Erwärmung in Europa verbessern, könnten wir auch zunehmend mit exotischen Infektionskrankheiten konfrontiert werden. Eine dringend notwendige Aufgabe ist es deshalb, mehr über gesundheitliche Gefahren auf Reisen und entsprechende Vorbeugemaßnahmen aufzuklären", appelliert Löscher auch an die Reiseveranstalter.
Hochwasser kann Krankheitskeime verbreiten
Bild: pixelioDie Veränderung des Klimas hat in den letzten Jahren in Europa zu Wetterextremen geführt, die in dieser Häufigkeit bislang unbekannt waren: Hochwasser in Deutschland, England, Rumänien und Polen - extreme Trockenheit und riesige Waldbrände in Griechenland, Italien, Portugal und Spanien. Diese Klimaphänomene, die oftmals die Sommermonate der vergangenen Jahre prägten, sind inzwischen eher Regel als Ausnahme. „Mit dem Auftreten von Hochwasser ist nicht selten auch die Überschwemmung von Klär- und Sanitäranlagen verbunden. In diesem Wasser können sich natürlich auch Krankheitskeime vermehren. Bakterien wie Escherichia coli, ein Darmbakterium, das starke Durchfälle verursachen kann, oder Viren wie das Hepatitis-A-Virus, das für eine infektiöse Leberentzündung verantwortlich ist, kommen in kontaminiertem Wasser häufig vor", erläutert Löscher.
Im Südosten Europas sind in den vergangenen beiden Jahren große Hepatitis-A-Epidemien mit Hunderten von Fällen registriert worden. Verunreinigtes Wasser war in den meisten Fällen Ursache für die Verbreitung von Gelbsuchtinfektionen in Bulgarien, Rumänien und Serbien. „In vielen südlichen und östlichen Ländern Europas und des Mittelmeerraumes ist die Hepatitis A noch weit verbreitet. Klimabedingte Hochwasser und Überschwemmungen könnten die Ansteckungsgefahren von Erregern, die sich über das Wasser verbreiten, verschärfen", warnt Löscher. Alle Tropeninstitute in Deutschland empfehlen die vorbeugende Gelbsuchtimpfung auch für Reisen nach Süd - und Osteuropa sowie für viele Mittelmeeranrainerstaaten. „Wer in die Türkei, nach Ägypten oder ans Schwarze Meer fährt, sollte sich gegen Hepatitis A impfen lassen", rät Löscher.
Zusätzliche Informationen zum Thema Reisekrankheiten finden Sie auch unter www.fit-for-travel.de.
