18.02.2015
Experten wollen Hepatitis C in Deutschland eliminieren
Etwa 300.000 Menschen hierzulande sind Träger von Hepatitis C-Viren - viele ohne es zu wissen. Künftig wird die Erkrankung schneller als bisher und ohne Interferon in vielen Fällen geheilt werden können.
Mithilfe moderner Therapien, die eine Hepatitis-C-Infektion schon nach wenigen Monaten heilen, könnte diese Form der infektiösen Leberentzündung in Deutschland eliminiert werden. Sollte dies gelingen, würde auch die Zahl der Menschen deutlich zurückgehen, die hierzulande jedes Jahr an einer durch Hepatitis C verursachten Leberzirrhose oder an Leberkrebs sterben. Infektionen mit Hepatitis-C-Viren gelten als eine der Hauptursachen für diese Tumorart. „Im Bereich der Hepatologie erleben wir gerade einen medizinischen Durchbruch. Wir werden zukünftig annähernd alle Menschen, die an Hepatitis C erkrankt sind oder von diesem Virus infiziert wurden, innerhalb von 8-24 Wochen heilen können, und zwar unabhängig vom Genotyp des Virus und ohne den zusätzlichen Einsatz von Interferon. Die neuen - nahezu nebenwirkungsfreien - Therapien greifen die Hepatitis-C-Viren direkt an und verhindern ihre Vermehrung. Bisher haben viele Betroffene die Behandlung abgebrochen oder gar nicht erst mit der Therapie begonnen - aus Angst vor den zum Teil doch starken Nebenwirkungen der alten Interferontherapie. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, die Betroffenen in Deutschland zu identifizieren und erfolgreich zu behandeln, was auch die Zahl der Leberkrebstoten hierzulande deutlich reduzieren wird", erläutert Prof. Dr. Heiner Wedemeyer von der Medizinischen Hochschule Hannover und Mitglied der Deutschen Leberstiftung.
Jedes Jahr mehr als 5.000 Menschen in Deutschland neu identifiziert
Das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin registrierte im vergangenen Jahr mehr als 5.000 Hepatitis-C-Infektionen - darunter Neuansteckungen, aber auch neu entdeckte chronische Infektionen. Und auch in diesem Jahr gab es bereits über 5.000 Meldungen. Experten gehen davon aus, dass in Deutschland etwa 300.000 Menschen Virusträger sind - viele, ohne es zu wissen, denn weniger als die Hälfte sind auch diagnostiziert. „Erkrankungen der Leber verlaufen sehr lange Zeit ohne Symptome. Daher wissen viele Betroffene gar nicht, dass sie infiziert sind. Die Übertragung erfolgt vornehmlich durch Blut. Deshalb wurden bis Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts viele Menschen durch kontaminierte Blutprodukte infiziert - zu einer Zeit, als wir das Virus noch gar nicht identifiziert hatten und Blutprodukte nicht entsprechend kontrolliert wurden. Heutzutage sind Neuansteckungen durch Nadelstichverletzungen, Tattoos, Piercings unter unsterilen Bedingungen oder aber den gemeinsamen Gebrauch von Drogenutensilien zu erklären. Sexuelle Übertragung ist selten, aber möglich. Ein einfacher Test beim Hausarzt kann bereits Aufschluss darüber geben, ob man infiziert ist oder nicht", rät Dr. Dietrich Hüppe, niedergelassener Internist und Gastroenterologe aus Herne. Laut Bundesamt für Statistik sterben in Deutschland jedes Jahr über 7.000 Menschen durch Leberkrebs. Ein Großteil davon ist chronischen Infektionen mit Hepatitis C oder B zuzuschreiben. „Wenn es uns gelingt, viele Menschen mit Hepatitis C zu identifizieren und von den Viren zu befreien, dann könnten wir innerhalb einer Generation die Zahl der Leberkrebsfälle in Deutschland drastisch verringern", so Hüppe vom Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen (bng).
Quellen:
Robert Koch-Institut: SurvStat@RKI 2.0, survstat.rki.de, Abfragedatum: 05.12.2014. www.leberhilfe.deTodesursachenstatistik (1998-2013), Statistisches Bundesamt, Zweigstelle Bonn. 05.12.2014 unter www.gbe-bund.de erstellt.Internet: www.hepatitis-c-eliminieren.de
