16.12.2014
Frühere Diagnosen durch Rheumascan möglich
Durch Entzündungsprozesse bedingte Veränderungen an Gelenken und Sehnen der Hände können mit einem fluoreszenzoptischen Verfahren bereits in einem frühen Stadium sichtbar gemacht werden.
Der sogenannte Rheumascan ist ein fluoreszenzoptisches Bildgebungsverfahren, das von Ingenieuren aus Berlin-Mitte entwickelt wurde und bereits in rund 40 Krankenhäusern und Praxen in Deutschland zum Einsatz kommt. Dieses Verfahren kann die Zunahme von neugebildeten Blutgefäßen (sog. Vaskularisierung) an Gelenken und Sehnen der Hände darstellen und so die durch Entzündungsprozesse bedingten Veränderungen in einem frühen Stadium sichtbar machen.
Zur Untersuchung mit dem Rheumascan wird dem Patienten ein Kontrastmittel - ein Fluoreszenzfarbstoff namens Indocyaningrün (ICG) - in die Vene injiziert, der sich in den Blutgefäßen rasch verteilt und somit Rückschlüsse auf die Mikrovaskularisierung erlaubt. Diese Untersuchung dauert nur sechs Minuten, denn schon etwa 60 Sekunden nach der Injektion kann eine Anreicherung des Fluoreszenzfarbstoffs in den entzündeten Gelenken festgestellt werden.
Die Fluoreszenz des Farbstoffes ICG regt Leuchtdioden in einem Fluoreszenzkamerasystem an und ist ein Maß für die Durchblutung - und damit auch die Entzündung der Gelenke, denn in entzündeten Bereichen ist die Durchblutung erhöht. Gelbe, orange oder rote Flecken auf dem Farbscanner zeigen viel Farbstoff und damit entzündete Stellen an. Grüne und blaue Regionen signalisieren hingegen eine geringere Durchblutung und keine Entzündung. Solche Veränderungen sind bereits im Frühstadium nachweisbar - oft sogar schon, bevor starke Beschwerden in den Fingern bestehen.
Die kontrastverstärkende Fluoreszenzbildgebung kann frühe Veränderungen in den Fingergelenken -zum Beispiel bei Rheumatoider Arthritis - sichtbar machen und ist angeblich sogar sensitiver als eine Magnetresonanztomografie (MRT). Das Verfahren eignet sich sowohl zum Nachweis früher Gelenkentzündungen als auch zur Kontrolle einer antirheumatischen Therapie.
Außerdem kann der Rheumascan eine Hilfe sein bei der Unterscheidung dreier, häufiger Ursachen für Gelenkbeschwerden - die Arthrose, die Rheumatoide Arthritis und die Psoriasis-Arthritis. Im Rhemascan zeigen diese drei Erkrankungen nämlich ein unterschiedliches Signalmuster: Kontrastmittelanreicherungen finden sich typischerweise bei Psoriasis-Arthritis im Bereich der Fingerendgliedern, in direkter Nachbarschaft zu den Fingernägeln. Zudem zeigen typische Farbmuster, dass die Bänder und Bandansätze bei der Entzündung mit betroffen sind. Bei Rheumatoider Arthritis konzentrieren sich die Anreicherungen in den Mittel- und Endgelenken der Finger, sind aber nahe der Fingernägel oder in den distalen Fingergelenken selten. Bei Arthrose wiederum werden die Bildmuster symmetrisch in den Fingern beider Hände sichtbar.
Auch eine weitere rheumatische Erkrankung - eine Bindegewebserkrankung (Kollagenose) mit Raynaud-Syndrom, bei der die Finger anfallsweise erblassen, da sich die Gefäße zusammenziehen - stellt eine mögliche Indikation für den Scan dar. Als Screening-Instrument ohne vorliegenden Krankheitsverdacht eignet sich das Verfahren aufgrund der notwendigen Kontrastmittelgabe und angesichts der relativ hohen Kosten allerdings nicht.
Nur wenige Krankenkassen übernehmen die Untersuchungskosten - in den meisten Fällen müssen die Betroffenen selbst in die Tasche greifen. Ein Scan kostet zwischen 80 und 250 Euro, je nachdem, ob die Kassen anteilsmäßig noch Kosten für das Kontrastmittel übernehmen.
Quelle: Deutsche Ärztezeitung
