05.04.2016

Für eine gezieltere Behandlung von Gelenkschmerzen

„Europäisches Jahr gegen den Gelenkschmerz" heißt die diesjährige Informationskampagne der European Pain Federation (EFIC), die über die die vielfältigen Schmerzformen in Gelenken aufklären soll.

Die European Pain Federation (EFIC) widmet sich mit dem „Europäischen Jahr gegen den Gelenkschmerz" (European Year Against Pain, EYAP) einem besonders weit verbreiteten Gesundheitsproblem. Die aktuelle Informationskampagne soll über die die vielfältigen Schmerzformen aufklären, die in den Gelenken auftreten können. 20% der chronischen Schmerzen weltweit gehen allein auf das Konto von Arthrosen. Zahlreiche Menschen sind auch von Gelenksproblemen aufgrund von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und Kristallablagerungen (Gicht) betroffen. Die Behandlung der unterschiedlichen Gelenkschmerzen stellt nach wie eine große Herausforderung dar, doch jüngste Erkenntnisse versprechen effizientere Hilfe. Sie kommen allerdings noch nicht in ausreichendem Maß bei den Betroffenen an, kritisieren führende europäische Schmerzexperten. 

„Gelenkschmerzen gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden überhaupt und sind ein führender Grund für Behinderung", betont EFIC-Präsident Dr. Chris Wells. „Ein bewegungsarmer Lebensstil, immer weiter verbreitete Adipositas und die gestiegene Lebenserwartung werden Gelenkschmerzen in Zukunft zu einem noch dringlicheren Problem machen. Gelenkschmerzen verursachen - so wie chronische Schmerzen generell - nicht nur individuelles Leid, sondern enorme gesellschaftliche Kosten durch Gesundheitsausgaben, Krankenstandstage, Produktivitätsverlust oder Berufsunfähigkeit." Welche wirtschaftliche Dimension das haben kann, zeigen Zahlen aus den USA: Zwischen 1996 und 2011 verzeichneten Ausgaben für die Behandlung von Gelenksbeschwerden mit 192 Prozent den höchsten Anstieg. Auch im gesamten EU-Raum stellen muskuloskelettale Probleme die wichtigste Diagnosegruppe dar, was Gesundheitsausgaben und indirekte Kosten durch Produktivitätsausfälle betrifft.

Während Veränderungen an den Knochen mit bestimmten Wirkstoffen behandelt werden können, sollte man der EFIC zufolge stark Übergewichtigen ein Gewichtsreduktionsprogramm anbieten. Schlüsselbehandlungen, die für viele Patienten und Patientinnen geeignet sind, umfassen Bewegungsprogramme mit Gymnastik oder Wassergymnastik, Krafttraining sowie Schulungen. Zu den wichtigen nichtmedikamentösen Behandlungsansätzen gehören auch Wärme- und Kälteanwendungen sowie Elektrotherapien. „Neuerdings setzt sich immer mehr der Ansatz durch, die Wahl der Therapie am Mechanismus, der den jeweiligen Beschwerden zugrunde liegt, sowie am Target des jeweiligen Medikaments zu orientieren", berichtet Prof. Bart Morlion, President elect der EFIC, der das European Year Against Pain inhaltlich ausrichtet. Grundsätzlich müsse das Ziel bei Gelenkschmerzen unterschiedlichster Ursache die Vermeidung einer Schmerzchronifizierung sein.

Trotz großer Anstrengungen bringen die derzeit verfügbaren Therapien nicht immer die gewünschten Erfolge und bleiben mitunter hinter den Erwartungen der Patientinnen und Patienten zurück. „Die Versorgung muss deutlich verbessert werden. Betroffene müssen schneller eine adäquate, sichere Behandlung bekommen, die nicht nur die Schmerzen bekämpft, sondern auch die Gelenke funktionstüchtig erhält. Wir möchten zeigen, was dazu nötig ist, und ein Bewusstsein dafür schaffen, wie sehr er sich lohnt, in die Behandlung von Gelenkschmerzen zu investieren", erklärt EFIC-Präsident Dr. Chris Wells.

Im Europäischen Jahr gegen Gelenkschmerz soll die Öffentlichkeit über die vielfältigen Beschwerdebilder aufgeklärt und über die Behandlungsmöglichkeiten informiert werden, damit Betroffene auch „rechtzeitig angemessene Hilfe suchen", wie EFIC Präsident Wells betont. Unter www.efic.org werden Faktensammlungen und Patienteninformationen zu den verschiedenen Formen von Gelenkschmerzen zur Verfügung gestellt. In den 37 Ländern, in denen EFIC mit nationalen „Chapters" vertreten ist, gibt es eine Vielfalt an Initiativen, Öffentlichkeitsarbeit und Tagungen. Im September 2016 wird die EFIC zu dieser Thematik auch ein Fachsymposium in Dubrovnik (Kroatien) veranstalten.

Quelle: European Pain Federation (EFIC)