19.08.2015
Herz-Risiko hängt auch von der Qualität des HDL-Cholesterins ab
Neues über die Funktion von HDL-Cholesterin im Zusammenhang mit der Entstehung von Herz- und Kreislauferkrankungen berichten Forscher der Medizinischen Universität Innsbruck.
Je niedriger der Plasmaspiegel von HDL-Cholesterin (High Density Lipoprotein, im Volksmund das „gute" Cholesterin genannt), umso häufiger kommt es zu koronaren Herzerkrankungen. Das belegen zahlreiche epidemiologische Studien. Umgekehrt verringert ein hoher HDL-Plasmaspiegel das Arteriosklerose-Risiko. Innsbrucker ForscherInnen um Prof. Ritsch kommen nun zum Schluss, dass nicht die HDL-Konzentration, sondern möglicherweise die HDL-Qualität die entscheidende Rolle in diesem Szenario spielt.
Auch schon andere Studien haben diesen Zusammenhang in Frage gestellt, nachdem eine Erhöhung des HDL-Cholesterins durch die Hemmung des Cholesterinester-Transferproteins (CETP) nicht den erhofften Erfolg gebracht hatte. CETP, ein in der Leber gebildetes und dann ins Blut abgegebenes Protein, ist unentbehrlich für den so genannten reversen Cholesterintransport, bei dem mit Hilfe von HDL überschüssiges Cholesterin von den Zellen im Körper zur Leber transportiert wird. Für diese scheinbare Diskrepanz konnte die Arbeitsgruppe um Prof. Ritsch Zusammenarbeit mit der Universität Heidelberg nun eine Erklärung liefern (siehe New English Journal of Medicine 2015, Band 372, Seite:1869-1872): Das Cholesterinester-Transferprotein stellt per se einen unabhängigen negativen Risikofaktor für die Arteriosklerose dar.
Um nun die HDL-Funktion in PatientInnen mit koronaren Herzerkrankungen zu untersuchen, wurde u.a. auch die so genannte Cholesterineffluxkapazität gemessen - also inwieweit HDL-Partikel in der Lage sind, Cholesterin aus Schaumzellen aufzunehmen. Arteriosklerotisch geschädigte Blutgefäße bestehen zum Großteil aus Schaumzellen. „In einer ersten Studie konnten wir zeigen, dass PatientInnen mit niedrigen CETP-Werten tatsächlich eine erniedrigte Effluxkapazität aufweisen", berichtet Prof. Ritsch. „Dieser Befund ermutigte uns, die äußerst aufwendige Messung der Cholesterinefflux-Kapazität durchzuführen." So kommen die Innsbrucker ForscherInnen zum Schluss, dass PatientInnen mit niedrigen CETP-Werten tatsächlich über eine verminderte HDL-Funktion verfügen, die ihrerseits zu einer erhöhten kardiovaskulären Mortalität führt. „Für die Entwicklung von neuen therapeutischen Strategien zur Prävention der Arteriosklerose bei PatientInnen mit hohem kardiovaskulären Risiko dürften diese Ergebnisse vor allem im Hinblick auf eine personalisierte Therapie richtungsweisend sein", erläutert Prof. Ritsch.
Quelle: Universität Innsbruck
