22.06.2008
HIV-Schnelltests nicht für den Hausgebrauch geeignet
Die Tests zur Schnelldiagnose von HIV sind unzuverlässig, wenn sie nicht fachmännisch durchgeführt werden...
Schnelltests, die innerhalb kurzer Zeit Auskunft über eine mögliche Infektion mit HI-Viren geben sollen, können eine labormedizinische Blutuntersuchung nicht ersetzen. „Die Tests liefern keine eindeutigen Ergebnisse", warnt Dr. Peter Walger vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) vor voreiligen Schlüssen aus einer kürzlich veröffentlichten Studie über die Wirksamkeit von Blut- und Speichel-Schnelltests in Indien. In dieser Untersuchung konnten Wissenschaftler mit Hilfe solcher Tests schwangere Frauen identifizieren, die mit HIV infiziert waren (PLoS Medicine 2008, 5: Seite e92).
Tests zur Schnelldiagnose von HIV gibt es bereits seit einigen Jahren. Diese sollen Abwehrstoffe (Antikörper) gegen die Viren im Speichel, Urin oder im Blut nachweisen. Dabei ist die Empfindlichkeit im Urin am geringsten, im Blut am höchsten. „Die Fehlerquote dieser Test ist aber recht hoch, insbesondere wenn sie von Ungeübten durchgeführt werden", erklärt Dr. Walger. Dann könne das Ergebnis leicht einmal negativ ausfallen, selbst wenn die getestete Person HI-Viren im Blut hat. Wer einen solchen Schnelltest durchführen wolle, sollte daher zuvor über die begrenzte Aussagekraft informiert werden.
Schnelltests liefern nur vorläufiges Ergebnis
Fachmännisch durchgeführt können die Schnelltests dem Infektiologen zufolge jedoch durchaus einen wichtigen ersten Hinweis liefern, ob eine HIV-Infektion vorliegt. So können sie zum Beispiel in der Notaufnahme nützlich sein, vor Notfall-Operationen und nach Nadelstichverletzungen. Hilfreich sind sie auch in Entwicklungsländern, wo nur eine minimale Ausrüstung vorhanden ist, wie die Studie in Indien zeigt. „In Industrieländern sollte der Schnelltest dagegen nur zur ersten Orientierung verwendet und von einer Blutanalyse durch ein Fachlabor ergänzt werden", betont Dr. Walger. Erst wenn beide Ergebnisse negativ ausfallen, könne man sicher sein, keine HI-Viren im Körper zu haben.
Bei einem HIV-Test überprüft der Internist im Blut, ob das Immunsystem Abwehrstoffe gegen das HI-Virus gebildet hat, so genannte Antikörper. Diese Antikörper werden innerhalb von 3 bis 12 Wochen nach einer Ansteckung produziert. Betroffene sollten deshalb einen Antikörpertest frühestens 6 Wochen nach einer möglichen Ansteckung durchführen und das Ergebnis 12 Wochen nach einem Risikokontakt noch einmal überprüfen lassen.
Maßnahmen nach möglichem Viruskontakt
Menschen, die Kontakt mit HIV-infiziertem Blut, Sperma oder Vaginalsekret hatten, können das Ansteckungsrisiko unmittelbar danach verringern. Als Sofortmaßnahmen sollten betroffene Hautstellen oder Körperteile wie Augen oder Mund unmittelbar nach dem Kontakt unter fließendem Wasser gereinigt, mit einem alkoholgetränkten Tupfer abgerieben oder einem alkoholischen Antiseptikum desinfiziert werden. Druck auf das umliegende Gewebe soll bei einer Schnitt- oder Stichverletzung die Blutung anregen und die Wunde desinfizieren. Über diese Sofortmaßnahmen hinaus ist eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten möglich, z. B. wenn feststeht, dass die Kontaktperson mit HIV infiziert ist. Hierbei werden verschiedene Medikamente miteinander kombiniert, die die Vermehrung des Virus hemmen. Diese Medikamente müssen 4 Wochen lang eingenommen werden.
Weitere Informationen zum Thema HIV und Aids erhalten Sie auch unter www.hiv-info.de.
