16.06.2016
Im Ramadan fasten auch mit Diabetes möglich?
Der verschobene Essrhythmus im Fastenmonat Ramadan kann sich auf den Blutzuckerspiegel auswirken. Experten raten Diabetes-Patienten daher, nur unter ärztlicher Begleitung zu fasten.
Der Fastenmonat Ramadan dauert in diesem Jahr noch bis zum 4. Juli. Muslime mit Diabetes müssen zwar nicht fasten. Viele Gläubige möchten jedoch den Ramadan trotz chronischer Krankheit einhalten. Experten raten Diabetes-Patienten, wenn, dann nur unter ärztlicher Begleitung zu fasten. Denn der verschobene Essrhythmus kann sich auf den Blutzuckerspiegel auswirken. Die International Diabetes Federation (IDF) hat daher eine neue Leitlinie herausgegeben. Darauf weist die Deutsche Diabetes-Hilfe hin.
Etwa fünf Prozent der Gesamtbevölkerung in Deutschland sind Muslime. Während des Ramadan, der noch bis zum 4. Juli 2016 dauert, fasten viele von ihnen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Das heißt: kein Essen, kein Trinken und kein Geschlechtsverkehr während dieser Zeit. Auch auf Zigaretten verzichten sie. Teilweise essen und trinken sie daher übermäßig während der Nacht. Trotz chronischer Erkrankung möchten zahlreiche Muslime mit Diabetes mitfasten. Viele Ärzte raten jedoch davon ab. Denn gerade bei Menschen mit Diabetes, aber auch bei Patienten mit anderen chronischen Erkrankungen, können Fasten und verschobene Essgewohnheiten zu medizinischen Problemen führen. „Grundsätzlich sollten Menschen mit Diabetes vorab mit ihrem Arzt darüber sprechen, ob sie fasten dürfen", meint Dr. Mahmoud Sultan, niedergelassener Diabetologe aus Berlin und Leiter der Projektgruppe „Diabetes und Ramadan" der Arbeitsgemeinschaft „Diabetes und Migranten" der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Eine neue Leitlinie der IDF auf Englisch und Arabisch gibt Ärzten dabei einen Leitfaden an die Hand, mittels dem sie einschätzen können, ob der Gesundheitszustand des Betroffenen für das Fasten geeignet ist, sowie Tipps zur Ernährung und zum Management des Diabetes während des Fastenmonats. Wichtig für fastende Muslime mit Diabetes ist zum Beispiel, abends beim täglichen Fastenbrechen ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Sonst droht der Körper auszutrocknen.
Um Stoffwechselentgleisungen zu verhindern, ist zu beachten, dass sich während des Ramadan der Tag-Nacht-Rhythmus umkehrt. Anstelle von drei Hauptmahlzeiten gibt es im Ramadan meist nur zwei. Dementsprechend müssen Menschen mit Diabetes die Diabetesbehandlung umstellen. Vorsicht ist vor allem in den Morgenstunden geboten. Denn Insulin und andere blutzuckersenkende Medikamente können bei gleicher Dosierung gefährliche Unterzuckerungen verursachen.
Wer trotz Diabetes fasten möchte, sollte sich daher an gewisse Regeln halten, um gefährliche Stoffwechselentgleisungen zu vermeiden: Unterzuckerungen kündigen sich häufig durch Schwitzen, Zittern oder Herzklopfen an. In solch einem Fall müssen Betroffene sofort das Fasten brechen und Traubenzucker essen, Cola oder Fruchtsaft trinken. Außerdem sollten Menschen mit Diabetes während des Ramadan öfter als üblich den Blutzucker messen. Als Faustregel gilt: „Ist der Blutzuckerwert niedriger als 3.3mmol/l oder höher als 16mmol/l, muss das Fasten sofort beendet werden", betont Dr. Sultan.
Damit der Stoffwechsel nicht durcheinanderkommt, muss in Absprache mit dem Arzt während des Ramadans auch die Medikation an den neuen Ess-Rhythmus angepasst werden. Denn häufig essen fastende Muslime mit Diabetes nach Sonnenuntergang üppiger als zur restlichen Zeit des Jahres. Eine Checkliste mit weiteren Tipps für das Fasten zum Ramadan steht online unter: Checkliste Ramadan.
Quelle: Deutsche Diabetes-Hilfe
