02.05.2018

Impfung gegen Gürtelrose und deren Komplikationen seit Mai möglich

Jetzt gibt es für Menschen ab 50 Jahren einen Impfstoff gegen Gürtelrose, der sogar über 80-Jährige effektiv vor einer Erkrankung an Gürtelrose schützt und auch für Immunsupprimierte geeignet ist.

Eine Gürtelrose (Herpes Zoster) geht meistens mit einem Hautausschlag mit Blasenbildung und sehr starken Schmerzen einher, die als brennend, einschießend oder stechend beschrieben werden und selbst nach einer Ausheilung der Erkrankung noch länger fortbestehen können. Halten die Schmerzen länger als drei Monate an, spricht man von einer Post-Zoster-Neuralgie (PZN). Diese häufigste Komplikation der Gürtelrose ist für die Betroffenen aufgrund der qualvollen Nervenschmerzen oft sehr belastend und zudem schwierig zu behandeln. Weitere Komplikationen können - wenn auch seltener - zu Erblindung oder zu Entzündungen der Lunge, der Leber, des Gehirns, der Hirnhäute oder des Rückenmarks führen.

Bisher war es nur eingeschränkt möglich, die Symptome einer Gürtelrose zu lindern und weitere Komplikationen zu verhindern. Jetzt (seit Mai 2018) gibt es für Menschen ab 50 Jahren eine Impfung gegen Gürtelrose, die ältere Menschen effektiv (mit einer Wirksamkeit von über 90 Prozent) und altersunabhängig (sogar über 80-Jährige) vor Herpes Zoster und seinen Komplikationen schützt. Da es sich um einen Totimpfstoff handelt, ist er auch für immunsupprimierte Menschen geeignet, bei denen abgeschwächte Lebendimpfstoffe (wie z.B. der Windpockenimpfstoff) kontraindiziert sind. Der Impfstoff wird im Abstand von zwei Monaten verabreicht und kann z.B. mit dem Grippeimpfstoff kombiniert werden.

Die Erreger der Gürtelrose, sog. Varizella-Zoster-Viren erinnern an die Zweiköpfigkeit des römischen Gottes Janus. Denn sie rufen zunächst (meistens in der Kindheit) Windpocken hervor, wandern dann aber ins Rückenmark, verstecken sich dort in den dorsalen Spinalganglien und können so jahre- oder jahrzehntelang verharren, bis sie wieder reaktiviert werden und dann – wenn das Immunsystem zu schwach ist – eine Gürtelrose verursachen.

Etwa jeder dritte Mensch entwickelt im Laufe seines Lebens eine Gürtelrose (Herpes Zoster), Hauptrisikofaktor ist dabei das Alter. Denn auch das Immunsystem altert und kann Erreger somit weniger gut abwehren (sog. Immunseneszenz). Daher steigt mit zunehmendem Alter das Risiko, an einer Gürtelrose (Herpes Zoster) zu erkranken. Mit 50 Jahren sind 99,5 Prozent der Menschen mit dem Varizella-Zoster-Virus in Kontakt gekommen, die Abwehrkraft des Immunsystems beginnt dann allerdings schon zu sinken. Zwei Drittel aller Gürtelrosen treten ab 50 Jahren auf, 50 Prozent ab 80 Jahren.

Übrigens: Wer als Kind gegen Windpocken geimpft wurde, ist nicht vor einer Erkrankung an Gürtelrose geschützt, zumindest aber dürfte die Krankheit dann etwas weniger schwer verlaufen. Und wer schon einmal eine Gürtelrose durchgemacht hat, ist auch nicht vor einer erneuten Erkrankung gefeit: Die Rezidivrate liegt bei 3-5 Prozent.

Der neue Impfstoff gegen Gürtelrose hat gegenüber der einzigen, bislang verfügbaren Vakzine – einer hochdosierten Variante des Lebendimpfstoffes gegen Windpocken für Kinder - entscheidende Vorteile: Er ist nicht kontraindiziert bei Immunschwäche und er zeigt bei allen Altersstufen ab 50 Jahren eine sehr gute Schutzwirkung. Die Wirksamkeit des konventionellen Lebendimpfstoffs mit abgeschwächten Erregern sank hingegen bis auf 20 Prozent bei den über 80-Jährigen, so dass er der Altersklasse mit dem größten Krankheitsrisiko letztendlich am wenigsten Schutz verlieh. Generell konnte er nur etwa jede zweite Gürtelroseerkrankung verhindern.

 

 

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