04.03.2010

In trockenen Wintern gibt es mehr Influenza-Fälle

Die Ausbreitung der Grippe-Viren hängt von der absoluten Luftfeuchtigkeit ab...

Der saisonale Anstieg von viralen Infektionskrankheiten wie Grippe beschäftigt die Wissenschaft schon seit längerem. Schon länger wurde ein Zusammenhang zwischen der Luftfeuchtigkeit uns dem Ausbruch von Influenza-Epidemien vermutet. „Dabei wurde jedoch meist die relative Luftfeuchtigkeit betrachtet. Eine aktuelle Untersuchung zeigt aber, dass eine Verringerung der absoluten Luftfeuchtigkeit eine Zunahme von Influenza-Erkrankungen und -Todesfällen mit sich bringt", berichtet Dr. Wolfgang Wesiack, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI). Er bezieht sich dabei auf eine Studie von Forschern um Jeffrey Shaman von der Oregon State University in den USA. Die Arbeit wurde in der Online-Fachzeitschrift PLoS Biology veröffentlicht.

Die relative Luftfeuchtigkeit gibt das Verhältnis der Wasserdampfgehaltes in der Luft zum Sättigungsgrad an. Dieser variiert jedoch mit der Temperatur. Die absolute Feuchtigkeit hingegen ist ein Maß für den tatsächlichen Wassergehalt in der Luft, unabhängig von der Temperatur. Obwohl dies der Intuition widerspricht, kann ein typischer Sommertag 4-mal so viel absolute Luftfeuchtigkeit haben wie ein typischer Wintertag.

Die Wissenschaftler werteten die Daten zur absoluten Luftfeuchtigkeit für einen Zeitraum von 31 Jahren aus. Aus den Zahlen von Influenza-Erkrankungen und -Todesfällen errechneten sie ein Modell zum saisonalen Verlauf der Grippe „Sie verglichen zunächst die Zahlen für die Bundesstaaten New York, Washington, Illinois, Arizona und Florida. Dabei stellten sie fest, dass die absolute Feuchtigkeit gut mit den Verlauf der Influenza korrelierte", erklärt Dr. Wesiack. „Anschließend erweiterten die Forscher das Modell auf die gesamten Vereinigten Staaten und waren dabei ebenfalls in der Lage den saisonalen Zyklus der Influenza zu reproduzieren. Dabei entdeckten sie, dass in vielen Fällen dem Ausbruch einer Grippe-Epidemie eine Periode besonders trockenen Wetters vorausging."

Die Trockenzeiten sind keine Voraussetzung für den Ausbruch eine Grippewelle, jedoch war in 55 bis 60% der Ausbrüche eine Trockenperiode zu beobachten. Die Reaktion des Virus war dabei sehr schnell. Innerhalb von 10 Tagen nahm die Übertragung der Grippe zu und die Zahl der Todesfälle stieg. „Die absolute Luftfeuchtigkeit beeinflusst die Beständigkeit des Influenza-Virus in hohem Maße, aber die Schwere eines Influenza-Ausbruchs ist daneben von vielen anderen Variablen abhängig wie zum Beispiel dem Virus-Typ, seiner Virulenz sowie der Anfälligkeit der Bevölkerung, der Zusammensetzung der Bevölkerung und den Interaktionen zwischen den Personen."