08.03.2009
Internisten fordern Kennzeichnung des Phosphat-Gehalts von Lebensmitteln
Vor dem Welt-Nierentag am 12. März warnt der BDI vor den Folgen einer phosphatreichen Ernährung...
Immer mehr Menschen in Deutschland haben zu hohe Phosphat-Spiegel im Blut. Insbesondere Nieren-Patienten leiden nach Angaben des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI) oft unter einer so genannten Hyperphosphatämie. Folge können Arteriosklerose, Herzinfarkt oder Osteoporose sein. Der BDI fordert deshalb anlässlich des Weltnierentages am 12. März eine Kennzeichnung des Phosphat-Gehalts von Lebensmitteln. Nur dann könnten Verbraucher abschätzen, wie viel Phosphat sie täglich zu sich nehmen, und sich entsprechend phosphatarm ernähren.
Vielen Lebensmitteln werden heute Phosphat-Salze als Stabilisatoren oder Geschmacksverstärker zugesetzt. In erster Linie sind es Fastfood- und Fertigprodukte, die zu dem ansteigenden Phosphat-Konsum beitragen. So sind Fleisch- und Wurstwaren, Käse, Backwaren und Süßgetränke besonders phosphatreich. Aber auch Milch- und Getreideprodukte sowie Nüsse enthalten viel Phosphat. „In den allermeisten Fällen kann der Konsument nicht entscheiden, ob und wie viel Phosphat enthalten ist, denn die Gesamtmenge an Phosphat ist nur in den seltensten Fällen auf der Verpackung angegeben - zudem meist in Form der unverständlichen E-Nummern", kritisiert Prof. Johannes Mann vom BDI.
Phosphatarme Ernährung für Nieren-Patienten besonders wichtig
Vor allem für Patienten mit Nierenschwäche können die Phosphat-Zusätze gefährlich sein. Da ihre Nieren das Blut nicht mehr ausreichend filtern können, haben sie oft zu hohe Phosphat-Konzentrationen im Blut. Man schätzt, dass 30 bis 50% der Patienten trotz Dialyse eine Hyperphosphatämie haben. Deshalb sollten Nieren-Patienten ganz besonders auf ihre Ernährung achten. Wie wichtig eine phosphatarme Ernährung sein kann, zeigt eine neue Studie aus den USA. Darin konnten die Phosphat-Spiegel von schwer nierenkranken Patienten durch eine umfangreiche Ernährungsberatung gesenkt werden (JAMA 2009, Band 301: Seite 629). „Eine solche Ernährungsberatung könnte aber noch erfolgreicher sein, wenn der Verbraucher genau weiß, welche Menge Phosphat er beim Verzehr zu sich nimmt. Bislang ist das quasi unmöglich: Selbst ähnliche Produkte können ganz unterschiedliche Phosphat-Werte aufweisen, wenn sie von verschiedenen Herstellern stammen", so Prof. Mann.
Menschen mit einer chronischen Nierenschwäche sollten laut den Empfehlungen von Nierenexperten täglich weniger als 0,8 bis 1 Gramm Phosphat zu sich nehmen. Der Blutgehalt sollte 5,5 Milligramm pro Deziliter nicht übersteigen. Wenn eine angepasste Ernährung alleine nicht ausreicht, kann zusätzlich die Einnahme spezieller Medikamente erforderlich sein, die Phosphate im Darm binden und die Aufnahme ins Blut verhindern. Bei dauerhaft zu hohen Werten werden die Salze in Arterien und Organe eingelagert und verschlechtern so ihre Funktionstüchtigkeit. Außerdem kann es zu einer Überfunktion und Vergrößerung der Nebenschilddrüse kommen.
Hier finden Sie eine Aufzählung, hinter welchen E-Nummern auf der Verpackung sich Phosphat-Zusätze verbergen.
