06.09.2015
Kassen erstatten interferonfreie Therapie für die meisten Hepatitis-C-Patienten
Die Mehrzahl der Hepatitis-C-Patienten bekommt ab sofort eine interferonfreie Therapie von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Darauf weist der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) hin.
Eine interferonfreie Therapie der Hepatitis C wird für die Mehrzahl der Patienten, die sich mit dieser von Hepatitis-C-Viren (HCV) übertragenen, entzündlichen Lebererkrankung angesteckt haben, ab sofort von den Krankenkassen erstattet. Darauf macht der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) aufmerksam unter Bezugnahme auf eine Pressemitteilung des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen (GKV), die am 4.9.15 veröffentlicht wurde.
Fatalerweise bleibt eine Infektion mit HCV oft jahrelang unbemerkt, zumal auftretende Symptome einer Leberentzündung wie Abgeschlagenheit und Müdigkeit recht unspezifisch sind. Daher verlaufen rund 80% der Erkrankungen chronisch und können dann schwere Leberschädigungen bis hin zu Leberzirrhose oder Leberzellkrebs zur Folge haben.
Während Hepatitis C lange Zeit als schwer behandelbar galt, stehen zur Therapie seit 2014 ganz neuartige Wirkstoffe (sog. direct-acting antivirals = DAA) zur Verfügung, die ohne Interferon einsetzbar sind und weitere Vorteile gegenüber früheren Therapeutika haben: Sie wirken effektiver, da gezielter und schneller, und verursachen dabei kaum Nebenwirkungen. Bei der Mehrzahl der behandelten Patienten kann HCV somit vollständig eliminiert werden. Anschließend ist eine Verringerung der Entzündung und Vernarbung der Leber - in manchen Fällen sogar eine Rückbildung der Zirrhose - zu beobachten und das Risiko für Leberkrebs wird erheblich gesenkt.
Die zur Verfügung stehenden Therapien sind selektiv gegen bestimmte HC-Virustypen gerichtet, von denen es sechs verschiedene (Genotyp 1 bis 6) gibt. Das jetzt von den Krankenkassen als erstattungswürdig befundene Kombinationstherapie hat einen nachweislichen Zusatznutzen für Patienten mit Genotyp 1 und Genotyp 4. Davon profitieren 81 Prozent der Hepatitis-C-Patienten hierzulande. Denn die Mehrzahl der Patienten in Deutschland hat Genotyp 1 (78% GT 1), gefolgt von Genotyp 2 und 3 (18% GT 2 und 3), Genotyp 4 (3% GT 4) und Genotyp 5 und 6 (1% GT 5 und 6).
Quelle: Robert Koch-Institut
