12.03.2021

Lebensqualität mit einer Nierenerkrankung in Pandemiezeiten

...lautet das Motto des diesjährigen Weltnierentags am 11. März. Das Beispiel einer Dialysepatientin zeigt, wie schwer es ist, in der Coronapandemie Lebensqualität und -freude zu erhalten.

Abb.: © Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e.V. (DGfN): COVID-19-Sterblichkeit - verschiedene Patientengruppen im Vergleich

Die Nieren von Hannelore Becker haben bereits vor über 30 Jahren aufgehört zu arbeiten; seitdem erhält sie eine Dialysebehandlung. Vor der Coronapandemie stand die heute 53-Jährige trotz ihrer Nierenerkrankung mitten im Leben. Ihre Leidenschaft, das Singen, hat sie zum Beruf gemacht: „Ich trete seit 21 Jahren drei Mal in der Woche im Chor des Saarländischen Staatstheaters auf, an den anderen Tagen habe ich Gesangsproben. Das ist ein Vollzeitjob, aber der beste, den ich mir vorstellen kann“, so Becker. Seit der Coronapandemie gehört sie zur Gruppe der Hochrisikopatienten und ist als Dialysepatientin im besonderen Maße gefährdet. Laut internationalen Studien verläuft für jeden fünften Dialysepatienten die Corona-Infektion tödlich. Wegen des zu hohen Risikos einer Ansteckung musste sie sich für die Gesangsproben krankschreiben lassen; ihrem Beruf kann sie derzeit nicht nachgehen.

Die lebenserhaltende Dialysebehandlung kann sie jedoch nicht aussetzen: „Ich muss viermal in der Woche für viereinhalb Stunden zur Blutwäsche ins Dialysezentrum. Eine Selbstisolation ist für mich unmöglich.“ Das Dialysezentrum hat höchste Hygienestandards, der Kontakt zu den anderen Dialysepatientinnen und -patienten, dem Pflegepersonal und ihrem behandelnden Arzt lässt sich jedoch nicht vermeiden. Eine Impfung wäre ihr einziger Schutz, doch als Dialysepatientin gehört sie bisher nicht zur Impfgruppe der höchsten Priorität, sie muss noch warten. Becker hat bislang keine Informationen zu einem Impftermin erhalten. Lebensqualität habe sie derzeit nicht, sie kümmere sich lediglich um ihre 89-jährige Mutter, berichtet sie. Was sie als erstes nach der Impfung machen möchte: „Kaffeetrinken mit Freunden, ohne Angst haben zu müssen, und natürlich singen im Chor.“

Hannelore Becker steht für 80.000 Dialysepatienten in Deutschland, die alle das gleiche Schicksal verbindet. Daher setzen sich die Nephrologinnen und Nephrologen dafür ein, dass Dialysepatienten frühzeitig geimpft werden. Zudem wurde die Impfkampagne „Fair denken! Denn die Impfung schützt uns alle“ ins Leben gerufen. Die Plakate zur Impfkampagne hängen deutschlandweit in den nephrologischen Praxen, ambulanten Dialysezentren und den nephrologischen Abteilungen der Kliniken aus. Unter www.fairdenken-impfen.de werden wichtige Fragen rund um die Impfung beantwortet. Kooperationspartner der Kampagne zum Weltnierentag sind: Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN), der Verband Deutsche Nierenzentren (DN) e.V., das KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e.V. und die PHV Patienten-Heimversorgung Gemeinnützige Stiftung.

Dialysepatienten sind die bei weiten höchstvulnerable Patientengruppe. Bei Dialysepflichtigkeit ist insgesamt die Komorbidität mit der höchsten COVID-19-Mortalität, wie eine Arbeit der European Renal Association – European Dialysis and Transplant Asssociation/ERA-EDTA darlegt (siehe Nephrology Dialysis Transplantation 2021, Band 36/1, Seite 87–94). Dialysepatientinnen und -patienten haben ein ähnlich hohes Risiko wie die über 80-jährige Allgemeinbevölkerung, an einer COVID-19-Erkrankung zu versterben.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e.V. (DGfN)

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