25.09.2008

Marathon ist Stress fürs Herz

Sport ist zwar unverzichtbar für einen gesunden Kreislauf, ein Marathon ist jedoch eine große Belastung für den Herzmuskel...

Ausdauersport bewahrt nicht unbedingt vor einer Arteriosklerose. Insbesondere Marathonläufer weisen einer neuen Studie zufolge eine vergleichbare Verkalkung ihrer Herzkranzgefäße auf wie Nichtsportler, teilt der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) mit. „Menschen mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten daher regelmäßig ihr Herz überprüfen lassen", rät Prof. Martin Halle vom BDI, einer der Autoren der Studie (European Heart Journal 2008, 29:1903-1910).

In ihrer Untersuchung verglichen Kardiologen aus Essen die Kalkablagerungen in den Herzarterien von über 100 Marathonläufern zwischen 50 und 72 Jahren mit denen von Nicht-Marathonläufern. Dabei zeigte sich, dass Kalkablagerungen in den Herzkranzgefäßen von Marathonläufern nicht seltener auftraten als bei Nichtsportlern, wenn diese dieselben Risikofaktoren für einen Infarkt aufwiesen. „Regelmäßiger Sport kann somit bei Rauchern und Bluthochdruck-Patienten das Infarktrisiko nicht ausgleichen. Der Nutzen von Marathonlaufen kann leicht überschätzt werden. Deshalb sollten sich die Läufer regelmäßig untersuchen lassen - ein gesundes Herz und gesunde Gefäße sind Voraussetzung für einen Marathonlauf", betont Prof. Halle von der Technischen Universität München.

Ist Marathon sogar schädlich?

Extremer Ausdauersport verringert also nicht das Risiko für Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen und damit für einen Herzinfarkt. Möglicherweise schädigt er sogar die Blutgefäße durch Freisetzung von Sauerstoffradikalen und hohen Mengen an Entzündungsstoffen, die während eines Langsteckenlaufes gebildet werden. Zudem gibt es die Vermutung, dass lange Läufe den Herzmuskel beeinträchtigen können. Prof. Halle: „In unserer Studie wiesen 12% der Läufer solche Schädigungen auf. Ob ein Marathon aber tatsächlich dem Herzen und seinen Blutgefäße schadet, wissen wir noch nicht."

Trotz dieser Ergebnisse bleibt Sport ein unverzichtbarer Bestandteil einer gesunden Lebensführung. „Körperliche Bewegung stärkt das Herz-/Kreislauf- und das Immunsystem, wirkt Übergewicht entgegen und stärkt Knochen und Muskulatur. In vielen Fällen könnten chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Osteoporose durch mehr Bewegung verhindert werden", betont Prof. Halle. Täglich eine halbe Stunde Bewegung reiche dafür schon aus. Wer seinen Körper dagegen extremen Belastungen aussetze, sollte dagegen besonders gesundheitsbewusst leben. „Denn Marathonläufer, die rauchen, schaden ihrem Körper möglicherweise doppelt", so der Sportmediziner.