31.08.2016
Mehr Prävention erforderlich, um Hepatitis C endlich auszurotten
Viele Menschen wissen nicht, dass sie mit Hepatitis-C-Viren (HCV) infiziert sind. Um solche unentdeckten Fälle früher zu erkennen, empfiehlt das Robert Koch-Institut (RKI) bestimmten Personengruppen eine Untersuchung auf HCV.
Hepatitis C ist mittlerweile heilbar, allerdings wissen viele Menschen gar nicht, dass sie mit Hepatitis-C-Viren (HCV) infiziert sind. Schließlich haben die meisten Betroffenen nur unspezifische Krankheitsanzeichen wie zum Beispiel Müdigkeit, Übelkeit oder grippeähnliche Symptome und bleiben auch bei chronischem Infektionsverlauf lange beschwerdefrei. Die meisten Infektionen mit dem Hepatitis C-Virus verlaufen aber chronisch und gehören zu den wichtigsten Ursachen von Leberzirrhose und Leberkrebs. Um solche unentdeckten Fälle früher zu erkennen, empfiehlt das Robert Koch-Institut (RKI) im aktuell veröffentlichten „GBE-Themenheft Hepatitis C" den folgenden Personengruppen eine Untersuchung auf HCV: Personen mit erhöhten Leberwerten (Transaminasen)Empfänger von Blut oder Blutprodukten vor 1992, Transplantaten oder HämodialysenPersonen, die sich Drogen injizierenInsassen von JustizvollzugsanstaltenHIV- und Hepatitis-B-InfizierteSexualpartner und Haushaltsangehörige von HCV-InfiziertenKinder von HCV-positiven MütternPersonen mit Migrationshintergrund aus Regionen mit erhöhter HCV-Infektionsratemedizinisches PersonalBlut-, Organ- und Gewebespender.
Darauf weist der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) hin unter Berufung auf die Internetinformationsseite www.hepatitis-c-eliminieren.de. „Eine weitest gehende ‚Ausrottung‘ der Hepatitis-C-Virus-Infektion wäre auch ohne Impfung möglich, denn es stehen wirksame Medikamente zur Verfügung, mit denen die Infektion sicher und rasch ausgeheilt werden kann. Eine ebenso wichtige Voraussetzung für die tatsächliche Elimination der Erkrankung ist aber, möglichst alle (d.h. 99 Prozent aller) HCV-Infizierten auch zu erkennen. Ansonsten lassen sich auch Neu- und Reinfektionen nicht effektiv verhindern. Neben einem gezielteren Screening benötigen wir daher auch eine intensivierte Aufklärung der Bevölkerung", betont Prof. Dr. med. Thomas Berg, Leiter der Sektion Hepatologie am Universitätsklinikum Leipzig. Dazu sollen systematische Untersuchungsangebote für Gruppen mit hohem Risiko etabliert und zielgruppengerichtete Präventionsmaßnahmen ergriffen werden. So enthält eine weitere aktuelle Veröffentlichung des RKI vom 25.7.16 (siehe Epidemiologisches Bulletin 29/2016) bereits spezielle Empfehlungen für die Drogenhilfe und Ärzteschaft. In einer aktuell laufenden Studie des RKI versucht man außerdem, die besonderen Präventionsbedürfnisse von Migranten aus Subsahara-Afrika (abgekürzt MiSSA) genauer herauszufinden, da diese eine in Deutschland epidemiologisch relevante Gruppe für sexuell übertragbare Infektionen wie HCV und HIV darstellen.
