26.05.2009
Millionen Autofahrer mit Medikamenten am Steuer
Bei 7% aller Unfälle sind Medikamente im Spiel. Fachleute fordern daher Grenzwerte für die Fahrtüchtigkeit...
In Deutschland setzen sich Millionen Autofahrer hinters Steuer, obwohl ihre Fahrtüchtigkeit durch Medikamente zumindest beeinträchtigt ist. Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Verkehrsmedizin (DGVM) werden unter dem Einfluss von Arzneien inzwischen mindestens ebenso viele Unfälle verursacht wie unter Alkoholeinfluss. „Das Medikamenten-Problem im Straßenverkehr wird massiv unterschätzt", sagt DGVM-Präsident Prof. Rainer Mattern.
Bis zu 7% der jährlich rund 2,2 Millionen Verkehrsunfälle in Deutschland sind Mattern zufolge auf Medikamenten-bedingte Fahruntüchtigkeit zurückzuführen. Dadurch wird ein volkswirtschaftlicher Schaden in Höhe von mehreren Milliarden Euro verursacht. Anders als für Alkohol und Drogen gibt es für Arzneien keinerlei Grenzwerte. Fahruntüchtigkeit werde in erster Linie durch Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie durch Psychopharmaka verursacht. Probleme können aber zum Beispiel auch durch blutdrucksenkende Mittel oder überdosierte Schmerzmittel entstehen. Vor allem ältere Menschen nehmen zum Teil mehrere Medikamente gleichzeitig, wobei die Wechselwirkung und damit die Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit oftmals nicht ausreichend erforscht sind.
Fehlendes Bewusstsein bei Ärzten und Poliziei
„Ärzte stehen in der Pflicht, ihre Patienten besser über die Folgen der Arzneimitteleinnahme aufzuklären", so Mattern. Vielfach verfügen die Mediziner aber selbst nur über unzureichende Kenntnisse, denn Verkehrsmedizin ist nicht Bestandteil der Ausbildung. Auch Polizisten sind nicht genügend informiert. Nach Verkehrsunfällen kommen sie daher nur selten auf die Idee, dass Medikamente im Spiel gewesen sein könnten. Die Folge: Eine Arzneimittel-bedingte Fahruntüchtigkeit wird noch seltener entdeckt als eine Akohol-bedingte. „Es ist daher an der Zeit, über Grenzwerte zu diskutieren. Wer das Doppelte oder Dreifache der therapeutisch angezeigten Dosis eines Medikamentes eingenommen hat, sollte als fahruntüchtig gelten", fordert Mattern.
Mattern weist darüber hinaus darauf hin, dass Autofahrer selbst dafür verantwortlich sind, wenn sie durch Medikamente fahruntüchtig werden. Der DGVM-Präsident appellierte deshalb an alle Verkehrsteilnehmer, sich zu informieren und nach der Einnahme von Arzneimitteln stets selbstkritisch auf die Fahrfähigkeit hin zu überprüfen.
