12.01.2011
Mit Biomarkern das individuelle Risiko für Herzinfarkt genauer bestimmen
Mit verschiedenen Biomarkern wollen Wissenschaftler der Ulmer Universitätsklinik das individuelle Risiko für Arterienverkalkung und deren Folgeerkrankungen genauer vorhersagen.
Wie hoch ist das individuelle Risiko für Ablagerungen in den Blutgefäßen (Arteriosklerose), die einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall verursachen können? Abgesehen von allgemein bekannten Risikofaktoren wie z.B. falsche Ernährung oder Rauchen könnten das spezielle Biomarker noch genauer angeben. Deren Erforschung widmet sich seit vielen Jahren Prof. Dr. Wolfgang Koenig, Oberarzt der Ulmer Universitätsklinik für Innere Medizin II.
Wenn arteriosklerotische Gefäßwandablagerungen aufbrechen, können sich Blutgerinnsel bilden, die das Gefäß entweder direkt verschließen oder bei ihrer Wanderung durch die Blutbahn weiter entfernte Gefäßbereiche verstopfen, z. B. die Herzkranzgefäße – dann spricht man von einem Herzinfarkt. Die Arteriosklerose entsteht nicht nur rein mechanisch durch die Ablagerung verschiedener Stoffe in der Gefäßwand, sondern steht in Zusammenhang mit entzündlichen Prozessen. „Wir sind auf der Suche nach bestimmten Eiweißmolekülen, die uns diese Entzündungsprozesse anzeigen“, erläutert Koenig. „Sie können auf Risiken hinweisen, die durch andere Diagnosemethoden, beispielsweise die Messung von Blutfettwerten, nicht erfasst werden. So konnten wir z. B. zeigen, dass Patienten mit normalen Blutfettwerten (LDL), aber einem bestimmten erhöhten Entzündungsmarker (CRP) ihr Risiko durch eine vorbeugende medikamentöse Therapie senken konnten.“ Die US-Arzneimittelbehörde FDA (Federal Drug Administration) sowie die europäische Zulassungsbehörde EMA (European Medicines Agency) haben das entsprechende Medikament (Rosuvastatin) inzwischen zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Komplikationen (Herzinfarkt und Schlaganfall) zugelassen, wobei die die Anwendung bei der FDA an einen erhöhten CRP-Wert gebunden ist.
Mit als erste erforschten die Wissenschaftler um Prof. Koenig auch den Entzündungsmarker mit der wissenschaftlichen Bezeichnung Lp-PLA2 und konnten zeigen, dass erhöhte Lp-PLA2-Werte im Blut im Zusammenhang mit dem Auftreten von Arteriosklerose-Komplikationen stehen. Inzwischen sind aus den Erkenntnissen der Grundlagenforschung klinische Studien entstanden, die prüfen sollen, ob Patienten mit durchgemachtem Herzinfarkt und erhöhten Lp-PLA2-Werten neben einer leitliniengerechten Standardtherapie durch die vorbeugende Einnahme eines Hemmstoffes von Lp-PLA2 ihr Risiko z. B. für einen erneuten Herzinfarkt senken können. „Unser Ziel ist, durch eine umfassende Analyse der verschiedenen Biomarker bei Patienten das individuelle Risiko für die Arteriosklerose genauer zu bestimmen und Substanzen zu finden, die die entzündlichen Prozesse und damit die Entstehung von Arteriosklerose und ihre Folgeerscheinungen hemmen.“
Quelle: Universitätsklinikum Ulm
