18.06.2008
Mögliche Behandlung des Dengue-Fiebers entdeckt
Die tropische Infektion kann bislang nicht gezielt behandelt werden. Eine neue Studie gibt nun jedoch Anlass zur Hoffnung....
Bild: Viren im Inneren einer Zelle
(Schwarze Kugeln, Elektronen-
mikroskop). Forscher aus Taiwan haben einen wichtigen Mechanismus identifiziert, der zu schweren und tödlichen Verläufen beim Dengue-Fieber führt und der künftig bei der Behandlung eine wichtige Rolle spielen könnte. Durch Kontakt mit einem bestimmten Rezeptormolekül auf der Oberfläche weißer Blutzellen lösen die krankmachenden Viren schwere Entzündungsreaktionen im Körper aus. Durch eine Blockade des Rezeptors gelang es den Wissenschaftlern bei Mäusen, dies zu verhindern (Nature 2008, doi:10.1038/nature07013).
Das Dengue-Fieber ist eine tropische Infektionskrankheit, die durch eine Infektion mit Viren hervorgerufen und von Stechmücken übertragen wird. „Die Erkrankung kann bislang nicht gezielt behandelt werden und eine Impfung gibt es nicht. Deshalb ist die Entdeckung der taiwanesischen Kollegen ein bedeutsamer Fortschritt, auch wenn sie erst noch beim Menschen bestätigt werden muss", sagt Prof. Thomas Löscher vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI).
Immunsystem läuft Amok
Das Dengue-Fieber ist deshalb so gefährlich, weil es eine Überreaktion des Immunsystems hervorruft. Die Viren regen Immunzellen dazu an, große Mengen von Entzündungsstoffen zu bilden. Diese so genannten Zytokine verringern die Gerinnungsfähigkeit des Blutes und führen zu Lecks in den Blutgefäßen. „Es kommt zu einem regelrechten „Zytokin-Sturm" im Körper, der schwere innere und äußere Blutungen sowie Herz-/Kreislaufversagen auslösen kann", erklärt Prof. Löscher. Die Gefahr schwerer Symptome sei besonders groß, wenn man sich bereits früher einmal mit einem der 4 verschiedenen Dengue-Virustypen angesteckt habe. Dauerhafte Immunität entsteht nur gegen den durchgemachten Typ. Bei erneuter Infektion mit einem anderen Dengue-Virustyp reagiere das Immunsystem vor allem bei Kindern besonders heftig.
Die Erkrankung tritt zwar vor allem in Asien und Lateinamerika auf, durch den Klimawandel und die zunehmende Globalisierung könnte sie sich jedoch auch in gemäßigte Gebiete ausbreiten. „Geeignete Überträgermücken haben sich bereits in Südeuropa angesiedelt und durch die zunehmend milderen Winter könnten diese auch in Mitteleuropa heimisch werden. Außerdem werde die Erkrankung häufig durch Fernreisende nach Deutschland eingeschleppt", warnt Prof. Löscher Die im letzten Jahr gemeldete Zahl von 264 Fällen erfasst nach Meinung von Experten jedoch nur einen Teil der Erkrankungen. „Mit geschätzten 1.000 bis 2.000 Fällen pro Jahr gehört das Dengue-Fieber zu den häufigsten Viruserkrankungen unter deutschen Urlaubern", so der Infektions- und Tropenmediziner. Wer nach der Rückkehr aus einem Risikogebiet unter Grippe-ähnlichen Symptomen, hohem Fieber, Gelenk- oder Muskelschmerzen leide, sollte deshalb unbedingt einen Tropenmediziner aufsuchen.
