21.08.2012
Morgensteifigkeit beeinträchtigt das Berufsleben vieler Rheumatiker
Geschwollene, steife und schmerzende Gelenke am Morgen scheinen vielen berufstätigen Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) erheblich zuzusetzen.
Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) sind die Gelenke morgens häufig geschwollen, steif und schmerzen. Diese so genannte Morgensteifigkeit schränkt das Berufsleben der Betroffenen offenbar stark ein. Das geht aus einer Umfrage hervor, die auf dem Kongress der European League Against Rheumatism (EULAR) vorgestellt wurde, der vom 6. bis 9. Juni in Berlin stattfand: Fast jeder zweite berufstätige Rheuma-Patient berichtete, dass er wegen Morgensteifigkeit Probleme mit dem Job hat. Die morgendlichen Funktionsstörungen der Gelenke machen vielen der Patienten sogar so sehr zu schaffen, dass sie an den betreffenden Tagen gar nicht zur Arbeit gehen können.
Es wurden insgesamt 1061 RA-Patienten aus elf europäischen Ländern befragt, die sich allesamt im arbeitsfähigen Alter befanden und mindestens dreimal pro Woche über Morgensteifigkeit berichteten. Etwa die Hälfte von ihnen gab an, noch aktiv im Arbeitsleben zu stehen: 59 Prozent Vollzeit, 24 Prozent Teilzeit, die übrigen waren selbstständig, studierten oder waren in Altersteilzeit. Mehr als jeder Siebte der arbeitenden RA-Patienten berichtete, dass er in dem Monat vor dem Interview wegen Morgensteifigkeit teilweise nicht arbeiten konnte. In Deutschland war es sogar jeder Fünfte. Arbeitsunfähigkeit in dem besagten Monat wurde im Mittel an 4,5 Tagen den Krankenkassen gemeldet (so genannte AU-Tage). Jeder Dritte kam in diesem Zeitraum wegen Morgensteifigkeit zumindest einmal zu spät zur Arbeit, im Mittel 2,2 Stunden. Hauptgrund für die Verspätung sei gewesen, dass die Patienten länger brauchten, um sich morgens für die Arbeit fertig zu machen - vor allem, um sich anzuziehen.
Auch die Arbeit selbst wird bei vielen Patienten durch Morgensteifigkeit erschwert. Fast jeder zweite RA-Patient im Arbeitsleben gab an, dass die Morgensteifigkeit die Leistungsfähigkeit im Job für im Mittel acht bis neun Stunden pro Woche beeinträchtige. In dieser Zeit arbeiten die Patienten um subjektiv eingeschätzte 40 Prozent weniger effektiv.
Wie Prof. Frank Buttgereit von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie an der Charité Berlin Buttgereit, der die Umfrageergebnisse auf dem Kongress in Berlin vorgestellt hat, betont, gehöre es zu einer ganzheitlichen Behandlung von RA-Patienten mit dazu, die Morgensteifigkeit zu erheben. Ein möglicher therapeutischer Ansatzpunkt sei die abendliche Einnahme spezieller Medikamente (Glukokortikoide mit verzögerter Freisetzungskinetik), die - anstatt morgens bereits am Vorabend eingenommen - eine deutlich frühere Abnahme der Morgensteifigkeit bewirken können.
Quelle: Deutsche Ärztezeitung
