07.08.2016

Neue Behandlungsansätze bei Morbus Crohn lassen hoffen

Experten rechnen mit der Zulassung von zwei neuen Medikamenten, die sich in Studien als wirksam gegen Morbus Crohn erwiesen haben. Darauf macht die DGVS aufmerksam.

Anhaltender Durchfall und krampfartige Bauchschmerzen - das sind typische Symptome von Morbus Crohn, unter denen über 400.000 Menschen in Deutschland leiden, viele von ihnen bereits seit dem jungen Erwachsenenalter. Heilbar ist die Erkrankung bislang nicht. Doch die Behandlungsmöglichkeiten könnten sich in den nächsten Jahren deutlich verbessern. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) hin. Die Experten der Fachgesellschaft rechnen mit der Zulassung von zwei neuen Medikamenten, die sich in Studien als wirksam erwiesen haben.

Morbus Crohn gehört zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, deren Ursache unbekannt ist und die bislang weder durch Medikamente noch durch eine Operation geheilt werden können. Die Erkrankung verläuft in Schüben, in denen die Patienten Kortison benötigen, das aber die Entzündung nicht immer ausreichend dämpfen kann. Seit einigen Jahren behandeln Gastroenterologen die Patienten zudem mit Antikörpern, die gezielt in die Entzündungsreaktion eingreifen. „Diese Mittel haben die Behandlungsergebnisse vieler Patienten verbessert", erklärt Prof. Dr. Britta Siegmund, Direktorin der Medizinischen Klinik für Schwerpunkt Gastroenterologie, Infektiologie und Rheumatologie an der Charité Campus Benjamin Franklin, Berlin. „Es gibt jedoch Patienten, die nicht auf die Therapien ansprechen oder bei denen die Wirkung im Alter nachlässt. Für diese Gruppe benötigen wir neue Wirkstoffe."

Hohe Erwartungen setzt die Expertin derzeit auf den Wirkstoff Ustekinumab, der seit Februar 2009 zur Behandlung der Schuppenflechte zugelassen ist und sich dort als sicher erwiesen hat (siehe New England Journal of Medicine 2012, Band 367/16, Seite: 1519-1528). Schon vor drei Jahren hatte eine klinische Studie gezeigt, dass das Mittel bei Patienten mit Morbus Crohn einen Schub beenden und anschließend die entzündungsfreie Phase aufrechterhalten kann. Inzwischen ist die klinische Entwicklung abgeschlossen. Experten rechnen damit, dass Ustekinumab 2017 auch zur Behandlung des Morbus Crohn zugelassen wird.

Einen völlig neuartigen Behandlungsansatz verspricht darüber hinaus der Wirkstoff Mongersen. „Bei Patienten mit Morbus Crohn sind bestimmte Proteine besonders aktiv, die antientzündliche Botenstoffe blockieren", erläutert Prof. Siegmund. Die Wirkung antientzündlicher Botenstoffe ist deshalb so wichtig, weil sie die Entzündungsvorgänge bei Morbus Crohn verringern könnten. „Der Wirkstoff Mongersen sorgt dafür, dass die Zellen keine Proteine mehr produzieren, die Botenstoffe blockieren. Somit verbessert sich die Entzündungskontrolle durch einen körpereigenen Mechanismus. Eine im vergangenen Jahr veröffentlichte Studie konnte zeigen, dass das Medikament bei Patienten mit Morbus Crohn und Befall des letzten Abschnitts des Dünndarms wirksam ist (siehe New England Journal of Medicine 2015, Band 372, Seite 1104-1113).

„Wir setzen uns dafür ein, dass die neuen Behandlungsmöglichkeiten den Patienten bald zur Verfügung stehen", betont Prof. Siegmund. Neue Therapiestrategien waren in diesem Jahr z.B. das zentrale Thema des Aktionstages „Chronisch entzündliche Darmerkrankungen", der anlässlich des „World Inflammatory Bowel Disease"-Tages am 19. Mai 2016 stattfand. Die Gastro-Liga organisierte an diesem Tag bundesweit Veranstaltungen und Experten-Hotlines. Betroffene und Interessierte konnten sich über das Krankheitsbild und die Behandlungsmöglichkeiten informieren. Weitere Informationen finden Interessierte auf der Internetseite der Gastro-Liga: www.gastro-liga.de.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)