13.12.2016
Neue Einblicke in Struktur und Funktion des Herzmuskels
Die Magnetresonanztomographie hat sich in den letzten Jahren auch für Herz- und Gefäßerkrankungen zu einem wichtigen bildgebenden Verfahren entwickelt.
Die Magnetresonanztomographie wird in Deutschland millionenfach zur Diagnose von Erkrankungen von Kopf, Bauchraum und Bewegungsapparat eingesetzt. In den letzten Jahren hat sie sich auch für Herz- und Gefäßerkrankungen zu einem wichtigen bildgebenden Verfahren entwickelt.
Eine Magnetresonanztomographie, auch MRT oder Kernspin genannt, wird wie die Computertomographie (CT) in einer längeren Röhre durchgeführt. Anders als das CT kommt die MRT ohne Röntgenstrahlung aus. Der wichtigste Unterschied ist jedoch, dass im MRT neben den Knochen auch Weichteile abgebildet werden. Dazu gehört der Herzmuskel. Da moderne MRT-Geräte Bilder in kurzer Abfolge ermöglichen, können Kardiologen die Herzaktion aufzeichnen. „Die Kardio-MRT hat sich innerhalb weniger Jahre zu einem Untersuchungsinstrument für Erkrankungen von Herz und Blutgefäßen entwickelt", erklärt Prof. Dr. Michael Markl von der Feinberg School of Medicine in Chicago. Dies gelte nicht nur für die USA, auch in Deutschland würde die Technik an Universitäten und anderen größeren Kliniken genutzt.
Die Vorteile des Kardio-MRT liegen Prof. Markl zufolge darin, dass es nicht nur Herzmuskel und Herzklappen in Aktion zeigt. Die Ärzte können auch die Blutströmung beurteilen. „Über die Verfolgung der dynamischen Veränderung der Fließprofile über den Herzzyklus lässt sich so die dynamische Ausbreitung der Flusswelle quantitativ exakt verfolgen", erläutert Prof. Markl. Störungen der Blutströmungsprofile können nach Aussage des Experten ein erstes Zeichen für Herzklappenerkrankungen sein. Die häufigste Erkrankung im Alter ist eine Verengung der Aortenklappe, die den Bluttransport in die Hauptschlagader behindert. „Schon kleine Verengungen führen zu Verwirbelungen, die den regelmäßigen Ablauf beeinträchtigen", berichtet Prof. Markl.
Im Kardio-MRT können auch die Struktur und Funktion des Herzmuskels beurteilt werden. Nach Injektion eines Kontrastmittels in die Vene sehen die Ärzte im MRT, ob alle Anteile des Herzmuskels durchblutet werden. „Nach einem Herzinfarkt zeigt die Kardio-MRT, welche Anteile des Herzmuskels abgestorben sind", erklärt Prof. Markl. Auch ein Stresstest ist möglich: Die Patienten erhalten ein Medikament, das die Blutgefäße erweitert oder die Muskelaktion steigert. „Im Stress-MRT sehen wir dann, wie der Herzmuskel auf die Belastung reagiert", erläutert Prof. Markl. Beide Untersuchungen sind ungefährlich, da die Herzaktion durch ein EKG überprüft wird und die Ärzte schnell auf Probleme reagieren können.
Das Kardio-MRT ist auch für die Forschung ein wichtiges Instrument. „Wir wissen im Grunde genommen wenig über das Zusammenspiel der Herzaktivität mit den elastischen Blutgefäßen", meint Prof. Markl: Das Herz pumpe im Normalzustand pro Minute knapp 5 Liter Blut durch ein Röhrensystem von nur 0,01 mm dicken Kapillaren und von dort wieder ins Herz zurück. Dafür benötige es nur eine Leistung von 1 Watt. „Das ist wesentlich effizienter als jedes bisher vom Menschen entwickelte Röhrensystem", betont Prof. Markl.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)
