31.07.2013

Neue Erkenntnisse über den Ursprung des Hepatitis C-Virus

Hepatitis C-Viren sind für Infektionen von über 185 Millionen Menschen auf der Welt verantwortlich,
die unbehandelt zum Tod führen können. Hierzulande sind mehrere Hunderttausend betroffen.

Weltweit sind etwa 185 Millionen Menschen mit dem Hepatitis C-Virus infiziert, in Deutschland sind es mehrere Hunderttausend. Der Ursprung des Erregers lag bislang im Dunkeln. Virologen des Bonner Universitätsklinikums haben nun gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam in einer aufwendigen evolutionsbiologischen Studie die mögliche Herkunft der Erreger in Nagetieren und Fledermäusen ausgemacht (siehe Online-Ausgabe des PLOS Pathogens im Juni 2013). Mit diesem Befund ergeben sich neue Ansätze für die Entwicklung eines Tiermodells, das zur Entwicklung eines Impfstoffes gebraucht wird.

Infektionen mit Hepatitis C-Viren können zu schweren Leberschädigungen führen. „Diese Infektionskrankheit gehört zu den großen Killern auf der Welt", sagt Erstautor Dr. Jan Felix Drexler vom Institut für Virologie des Universitätsklinikums Bonn. Der Erreger wird vor allem über das Blut  übertragen. Bislang gibt es zwar Therapien, aber keine Möglichkeit, sich durch eine Impfung vor einer Infektion zu schützen. „Bisher ist die Impfstoffentwicklung vor allem daran gescheitert, dass kein einziges Labortier mit Hepatitis C zu infizieren war", berichtet Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn.

Die Forscher nahmen umfangreiche Proben von insgesamt 4.770 Nagetieren und 2.939  Fledermäusen. „Sowohl Nager als auch Fledermäuse leben in Kolonien mit engem Kontakt der Tiere zueinander, wodurch Infektionen begünstigt werden", sagt Dr. Drexler. Da auch Haustiere als eine  Quelle für die Viren vermutet wurden, testeten die Wissenschaftler außerdem 210 Pferde sowie 858
Katzen und Hunde.

In den Nagetieren stießen die Forscher auf zahlreiche Varianten von Viren, die mit Hepatitis C  verwandt sind. In den Fledermäusen fanden die Virologen Antikörper gegen den Erreger. „Dies ist ein klarer Hinweis darauf, dass sich diese Virusfamilie im Lauf der Evolution in Kleinsäugern entwickelt hat und dann möglicherwiese auf den Menschen oder andere Tiere übergesprungen ist", fasst Dr. Drexler die Resultate zusammen. Bei Hunden und Katzen wurden keine Viren gefunden, wohl aber bei den untersuchten Pferden. „Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass diese Viren eine direkte Gefahr
für den Menschen darstellen", erläutert Dr. Drexler.

Die Forscher sehen nun die Chance, mit ihren Ergebnissen die Grundlage für die Entwicklung eines Impfstoffs geschaffen zu haben. Die Befunde geben den entscheidenden Hinweis, wie man  möglicherweise zu einem Tiermodell für die Infektion kommen und daran Impfstudien durchführen könnte. „Die Nagetiere, in denen wir das Virus gefunden haben, lassen sich gut im Labor halten", sagt Prof. Drosten. Zudem verursachen die Viren in Nagetieren ebenfalls eine Infektion der Leber, ähnlich wie das Hepatitis C-Virus beim Menschen. Insbesondere Rötelmäuse, in denen besonders viele Hepatitis C verwandte Viren gefunden wurden, sind schon in vielen Laboren vorhanden. Das liegt unter anderem daran, dass diese Tiere in Deutschland auch für andere Viren von Bedeutung sind, zum Beispiel Hantaviren.

Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn