05.08.2014

Neue Hepatitis-C-Therapie belastet Krankenkassen nicht höher als bisherige Therapien

Die Therapie der Hepatitis C befindet sich in einem dramatischen Wandel. Die Zulassung von neuen Therapien wird es in wenigen Monaten ermöglichen, fast jeden Patienten zu heilen!

Die Therapie der Hepatitis C befindet sich in einem dramatischen Wandel. Die Zulassung von neuen Therapien wird es in wenigen Monaten ermöglichen, fast jeden Patienten zu heilen! Das erste der neuen Medikamente mit dem Wirkstoff Sofosbuvir, das in Deutschland seit Januar unter dem Namen Sovaldi auf dem Markt ist, kostet nur unwesentlich mehr, als die bisher zur Therapie dieser Form der infektiösen Leberentzündung zugelassenen Medikamente. Darauf weisen nationale Experten und des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI) hin. „Die Behandlung mit den alten Medikamenten (Proteaseinhibitoren, Pegyliertes Interferon, Ribavirin) dauert für Patienten mit Genotyp 1 - in Deutschland am häufigsten - bis zu 48 Wochen. Die Kosten für die Krankenkassen dafür lagen bei fast 50.000 Euro pro Patient. Aber nur etwa 70% der Patienten sprachen auf diese Therapien an – viele mussten die Behandlung aufgrund der z.T. sehr heftigen Nebenwirkungen abbrechen. Die neue Therapie mit Sovaldi dauert 12 Wochen und neun von zehn Patienten können geheilt werden. Insofern sind die direkten Behandlungskosten für Genotyp 1-Patienten fast identisch. Bei dem Wirkstoff Sofosbuvir handelt es sich um einen Polymerasehemmer, der gezielt in den Stoffwechsel des Hepatitis-C-Virus eingreift und damit die Vermehrung des Erregers in der menschlichen Leberzelle verhindert. Der Stoffwechsel der Wirtszelle selbst bleibt intakt, weshalb es bei der Behandlung mit diesem neuen Medikament kaum Nebenwirkungen für die Patienten gibt.

Keine Folgekosten nach Behandlung

Mit der neuen Therapie können sehr viele Patienten, die unter einer chronischen Leberentzündung durch das Hepatitis-C-Virus leiden, vollständig geheilt werden. Die gefürchteten Spätfolgen dieser Erkrankung, wie Leberzirrhose oder Leberkrebs, fallen nach einer erfolgreichen Behandlung nicht an. „Durch die neuen Medikamente können wir viele Betroffene vor den gefährlichen Spätfolgen dieser Erkrankung schützen. Rechtzeitige Therapien können Leberzirrhosen und Leberzellkarzinome verhindern und somit Leben retten. Nicht selten ist eine Lebertransplantation für diese Patienten die letzte Möglichkeit. Die Kosten für eine solche Transplantation der Leber belaufen sich auf etwa  140.000.- € für jeden Erkrankten. Hinzu kommen bis zu 20.000.- € Kosten pro Jahr für Medikamente, die eine Abstoßung des transplantierten Organes verhindern sollen. Auch diese Kosten könnten zukünftig deutlich reduziert werden, wenn viele Betroffene rechtzeitig therapiert werden“, so Prof. Heiner Wedemeyer, Oberarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte Mitte Juli 2014 dem Medikament Sovaldi einen Zusatznutzen für viele Hepatitis-C-Patienten anerkannt.

Quellen:
Lauer-Taxe (05.08.2014)
Stahlmeyer et al. JHEOR 2013;1(3):239-53
Wedemeyer et al., J Viral Hepatitis 2014 May;21 Suppl 1:60-89.