03.01.2016

Neue Medikamente gegen Schilddrüsenkrebs erfolgreich

Endokrinologen setzen gegen Schilddrüsenkarzinome so genannte Tyrosinkinase-Inhibitoren, die sowohl im Tumor als auch in der Tumorumgebung Wachstumssignale ausschalten, ein.

Schilddrüsenknoten sind in Deutschland häufig. Etwa jeder vierte Erwachsene ist betroffen. Auch wenn bösartige Veränderungen selten sind, müssen die Knoten abgeklärt werden, um Krebs auszuschließen. Je nach Art des Krebses schließt sich nach der Operation eine Radiojod-Therapie an, die allerdings nicht für jede Form des Schilddrüsenkrebses in Frage kommt. Mit neuen Wirkstoffen, den Tyrosinkinase-Hemmern, stehen Ärzten nun Medikamente zur Verfügung, um den Krebs aufzuhalten.

Nur in wenigen Fällen sind Knoten, die sich in der Schilddrüse bilden, bösartig. „Jeden im Ultraschall oder der Szintigraphie verdächtigen Knoten müssen wir untersuchen, damit ein Schilddrüsenkarzinom rechtzeitig erkannt wird", sagt Prof. Dr. med. Matthias M. Weber, Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) und Leiter des Endokrinen und Neuroendokrinen Tumorzentrums der Universitätsmedizin Mainz. Der Schilddrüsenkrebs gehört zu den selteneren und in der Regel gut behandelbaren Krebsformen. Pro Jahr diagnostizieren Ärzte bei etwa 7200 Menschen ein Schilddrüsenkarzinom. Rechtzeitig erkannt, seien die Heilungschancen sehr gut, so der Experte der DGE.

Am häufigsten sind die so genannten differenzierten Schilddrüsenkarzinome. Sie können nach Operation der Schilddrüse mit einer Radiojodtherapie behandelt werden. „Mit ihr zerstören wir die nach der Operation verbliebenen Krebszellen und erreichen auch eventuell im Körper ausgetretene Tumorzellen, also die Metastasen", erklärt Prof. Weber. Damit erreichen Mediziner vor allem beim differenzierten Schilddrüsenkarzinom eine hohe Heilungschance. Anders als diese Schilddrüsenkarzinome kann das medulläre Schilddrüsenkarzinom, das oft auf einen Gendefekt zurückzuführen ist, nicht mit einer Radiojodtherapie behandelt werden. Prof. Dr. med. Thomas J. Musholt, Leiter der Endokrinen Chirurgie an der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz erklärt: „Bei diesem auch C-Zell-Karzinom genannten Tumor entfernen wir das krankhafte Gewebe ebenfalls operativ. Da die C-Zellen jedoch kein Jod speichern, ist eine nachfolgende Radiojodtherapie nicht sinnvoll." Eine klassische Chemotherapie, die bei anderen Krebserkrankungen häufig helfe, wirke bei diesem Schilddrüsenkrebs meist nicht, so der Experte.

Aber auch bei den ursprünglich gut auf die Radiojodtherapie ansprechenden Tumorformen kann es im Verlauf der Erkrankung zu einem Wirkungsverlust dieser Therapie kommen, sodass für diese so genannten radiojodrefraktären Patienten ebenso wie für Patienten mit medullärem Schilddrüsenkrebs dringend neue Therapieoptionen benötigt werden.

Mit der Entwicklung von so genannten Tyrosinkinase-Inhibitoren, die sowohl im Tumor als auch in der Tumorumgebung Wachstumssignale ausschalten, haben die Ärzte nun neue Behandlungsmöglichkeiten. So kann mit den beiden neuen Substanzen Sorafenib und Lenvatinib das so genannte progressionsfreie Überleben - das heißt der Zeitraum, in dem eine definierte Tumorläsion nicht wächst - bei Patienten mit Radiojod-refraktärem Schilddrüsenkrebs deutlich um 6 bis 14 Monate verlängert werden. Eine ähnlich gute Wirksamkeit konnte auch beim fortgeschrittenen medullären Schilddrüsenkrebs mit zwei weiteren neuen Substanzen Vandetanib und Cabozantinib gefunden werden. „Wir können nun auch die Patienten, denen die Operation und die Radiojodtherapie nicht helfen kann, wirkungsvoll behandeln", sagt Prof. Musholt.

Die Therapie mit Tyrosinkinase-Inhibitoren kann jedoch eine Reihe von Nebenwirkungen hervorrufen: Bluthochdruck, Durchfälle, Erschöpfung, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Gewichtsabnahme sind häufig, und zum Teil schwellen Hände und Füße an. Diese Nebenwirkungen lassen sich jedoch beherrschen. Hier sind Endokrinologen mit onkologischem Schwerpunkt gefragt, betonen die beiden Experten aus Mainz.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)