06.04.2014

Neue Mitralklappen-Therapie

Erstmalig konnte einem Patienten mit einer undichten Mitralklappe eine Katheterherzklappe (so genannter Klappenstent) ohne Einsatz einer Herz-Lungenmaschine eingesetzt werden...

Weltweit ist es zum ersten Mal gelungen, eine Katheterherzklappe (so genannter Klappenstent) bei undichter Mitralklappe am Menschen ohne den Einsatz einer Herz-Lungenmaschine einzusetzen. Dieses Katheterverfahren war bisher auf den Ersatz der Hauptschlagaderklappe der Aorta und der Lungenschlagader-Klappe beschränkt. Das berichten Forscher um Prof. Dr. Georg Lutter aus der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Kiel, sowie von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und der Universität von Wisconsin (USA).

Bild: Mitralklappenstent. Foto:Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH)

Der Klappenersatz mittels Katheter kommt vorrangig dann zum Einsatz, wenn bei einem Patienten aufgrund von schweren Nebenerkrankungen der Einsatz einer Herz-Lungenmaschine medizinisch nicht vertretbar ist. Die Mitralklappe ist eine der vier Klappen des Herzens. Sie befindet sich zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer, wo sie den Rückfluss von Blut aus der linken Herzkammer in den linken Vorhof bei der Kontraktion der Kammer verhindert. Üblicherweise werden in der Herzchirurgie defekte Herzklappen im Rahmen eines chirurgischen Eingriffs ersetzt, bei denen der Patient mit einer Herz-Lungenmaschine versorgt wird und der Brustkorb geöffnet wird.

Erst seit rund zehn Jahren können in bestimmten Situationen neue Herzklappen mittels eines minimal-invasiven Katheterverfahrens eingesetzt werden. Diese Entwicklung stellt einen großen Fortschritt dar: Da für den Katheterzugang nur ein kleiner Schnitt im Leistenbereich oder im Brustkorb nötig ist, kann die OP-Zeit deutlich reduziert werden. Gleichzeitig sinkt die körperliche Belastung des Patienten. Zwar sind die Katheterverfahren dem herkömmlichen chirurgischen Eingriff im Ergebnis noch nicht gleichwertig, sie können aber älteren und durch Nebenerkrankungen geschwächten Patienten, die ein hohes Operationsrisiko haben, gut helfen.

„Die große Herausforderung bei der Entwicklung des neuen Katheterverfahrens war die Tatsache, dass die Mitralklappe sehr beweglich ist und sich zwischen zwei Herzkammern befindet", erklärt Prof. Lutter, der die Abteilung für Experimentelle Herzchirurgie und Herzklappenersatz an der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie leitet. „Dort gibt es eine starke Muskelbewegung und große Strömung, so dass die neue Mitralklappe, die auch mit dem Herzkatheter über einen kleinen Brustkorbschnitt eingesetzt werden kann, einen guten Halt zur Fixierung in diesem Bereich aufweisen muss." Ausgangspunkt war dabei ein Verfahren, dass bereits bei einem Ersatz der Hauptschlagaderklappe der Aorta und der Lungenschlagader-Klappe verwendet wurde. „Die Katheterklappen werden dabei in eine Schlagader - also mehr oder weniger in ein menschliches, stabiles Rohrgefüge - implantiert", erklärt Prof. Lutter. „Dieses Rohrgefüge musste allerdings zuvor verkalkt sein, damit die neue Katheterklappe dort auch ihren Halt findet. Durch die Weiterentwicklung von Herzklappenstents können jetzt jedoch auch weniger verkalkte Klappen oder - wie es uns jetzt gelungen ist - sogar Mitralklappen versorgt werden. Bei der Hauptschlagaderklappe der Aorta und der Lungenschlagader-Klappe verwenden wir diese Verfahren bereits seit 2008 sehr erfolgreich."

Die Kieler Forscher arbeiten seit 2007 daran, einen Mitralklappen-Stent mit stabilem Gewebekontakt zu entwickeln und herzustellen. Mit großer Unterstützung des Direktors der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie, Prof. Dr. Jochen Cremer, und der Deutschen Forschungsgemeinschaft gelang es zunächst, experimentell sehr gute Ergebnisse über einen längeren Zeitraum zu erzielen. „Dies war für uns die grundlegende Voraussetzung, einen Klappenstent in die Mitralklappe eines Patienten akut und ohne Einsatz der Herz-Lungenmaschine weltweit erstmalig einzusetzen", sagt Prof. Lutter. „Das Ergebnis ist überzeugend, die zuvor schwer undichte Mitralklappe schließt mittels dieses Herzklappen-Stents vollkommen kompetent", so der Herzchirurg.

Durch die Fortschritte in der Forschung der Kieler Herzchirurgen bei der Entwicklung von Herzkatheter-Klappen ist es absehbar möglich, dass Patienten bei einer Erkrankung der Mitralklappe und einer besonderen Risikosituation bei im Regelfall fortgeschrittenem Alter und zusätzlichen Operationsrisiken mit einer neuen Katheter-Herzklappe versorgt werden könnten.

Quelle: Universitätsklinikum Schleswig-Holstein