19.06.2016

Neue Strategie zur Ausrottung von Hepatitis C

Die Erkennung von 99 Prozent aller Hepatitis-C-Infizierten und das effektive Verhindern von Neu- und Reinfektionen sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Elimination der Hepatitis-C-Viren.

Erkrankungen wie Aids sowie Hepatitis B und Hepatitis C, die über Blut oder sexuell übertragen werden, haben vergleichbare Übertragungswege- und -Risiken. Daher sollen sie künftig gemeinsam bekämpft werden, damit sich auch die Gemeinsamkeiten in der Prävention, Diagnostik und Testung dieser Krankheiten zur Versorgung der Patienten besser nutzen lassen. Aus diesem Grund haben das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gemeinsam eine Strategie zur Eindämmung von allen durch Blut und sexuell übertragbaren Erkrankungen in Übereinstimmung mit den WHO-Richtlinien entwickelt (siehe BMG-Broschüre, 2016 „Strategie zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C und anderen sexuell übertragbaren Infektionen") und dem Bundesrat und Bundestag zur Bewilligung vorgelegt. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der chronischen Hepatitis C: „Durch das frühzeitige Erkennen von Infektionen können Menschen schneller behandelt und - wie im Fall von Hepatitis C - sogar geheilt werden. So können nicht nur weitere Infektionen, sondern auch Spätfolgen der Erkrankung verhindert werden. Deshalb werden insbesondere die Bereiche Prävention, Früherkennung und schnelle Überführung in Therapien mit der neuen Strategie weiter ausgebaut. Im Mittelpunkt steht dabei, die Öffentlichkeit besser über die Krankheiten, ihre Übertragungswege und mögliche Schutzmaßnahmen aufzuklären. Dazu wird auch eine engere Vernetzung der staatlichen Institutionen, des Gesundheitsbereichs, freier Träger, Selbsthilfeorganisationen und weiterer Akteure angestrebt, die gewährleisten soll, dass betroffene Menschen besser erreicht und Ressourcen stärker gebündelt werden", erklärt Dr. Dietrich Hüppe, wissenschaftlicher Leiter des Deutschen Hepatitis C-Registers und Hepatologe  in der Gastroenterologischen Gemeinschaftspraxis Herne.

Elimination innerhalb einer Generation machbar und finanzierbar

Ein gezieltes Screening ist ein wichtiger Schlüssel zur Eliminierung der Erkrankung bis 2030. „Gerade im Fall von Hepatitis C (HCV) - einer Lebererkrankung, die man mit den heutzutage zur Verfügung stehenden Medikamenten nicht nur behandeln sondern tatsächlich auch heilen kann - sind die Erkennung von 99 Prozent aller HCV-Infizierten und das effektive Verhindern von Neu- und Reinfektionen durch intensivierte Aufklärung und Prävention die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Elimination der HCV-Viren", betont Dr. Hüppe. Dass eine solche Elimination innerhalb einer Generation möglich, machbar und finanzierbar ist, hat eine von der Deutschen Leberhilfe initiierte Studie anhand des so genannten „Eco Hep Models" deutlich aufgezeigt (siehe Eco Hep Model 2016): Die Zahl der HCV-Infizierten würde sich im Eliminationsszenario bis 2030 mit einem nur anfänglich höheren Kostenaufwand tatsächlich um mehr als 99 Prozent reduzieren lassen. Demgegenüber wäre ohne gezielte Screening- und Präventionsmaßnahmen im so genannten „Weiter-so-wie-bisher-Szenario" keine endgültige Elimination der Viren möglich: Die Zahl der HCV-Infizierten würde sich viel langsamer reduzieren, weil sich Heilungen und Neuinfektionen die Waage halten und ein kontinuierlicher Sockel von 60.000 nicht erkannten, aber therapiebedürftigen Menschen verbleibt. Zudem würden aufgrund des Fortschreitens der HCV-Erkrankungen langfristig bis 2040 mindestens circa 800 Millionen Euro mehr indirekte Kosten als im Eliminationsszenario auf die Krankenkassen, Renten- und Pflegeversicherung, aber auch Arbeitgeber und Privathaushalte zukommen.