05.06.2012
Rauchen schützt sicherlich nicht vor Schuppenflechte
Vielmehr erhöht Rauchen das Risiko, an einer Schuppenflechte mit oder ohne Gelenkrheuma zu erkranken, verschlimmert deren Verlauf und verringert das Ansprechen auf die Therapie.
Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine nicht-ansteckende, entzündliche Hautkrankheit, die sich vornehmlich durch stark schuppende, bis zu handtellergroße Hautstellen (häufig an Knien, Ellenbogen und Kopfhaut) zeigt. Etwa 20 bis 30 % der Patienten mit Schuppenflechte erkranken aber auch an entzündlichem Gelenkrheuma, das sich mit Schmerzen, Schwellungen und morgendlicher Steifheit bemerkbar macht. Dieses Psoriasis-Arthritis genannte Krankheitsbild kann auch ohne begleitende Schuppenflechte der Haut auftreten und wird nicht selten erst so spät erkannt, dass die Gelenke dann schon dauerhaft geschädigt sind. Deshalb ist es wichtig, bei Verdacht auf eine Arthritis zum Rheumatologen zu gehen, um dies abklären und gegebenenfalls sich so früh wie möglich behandeln zu lassen.
Ob ein Psoriasis-Patient auch Gelenkbeschwerden erleidet, wird von zahlreichen Faktoren bestimmt. „Der Pathomechanismus der Psoriasis-Arthritis ist komplex", erläutert Prof. Dr. Klaus Krüger, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Berufsverbands Deutscher Rheumatologen (BDRh) und praktizierender Rheumatologe im Münchener Praxiszentrum St. Bonifatius. „Etwa 20 bis 30 Prozent der Psoriasis-Patienten entwickeln auch eine Psoriasis-Arthritis, in etwa einem Viertel dieser Fälle wiederum kann auch die Wirbelsäule entzündlich mitbeteiligt sein und eine Sakroiliitis oder Spondylitis vorliegen. In den meisten Fällen (70 Prozent) geht die Haut- der Gelenkerkrankung voraus. Haut und Gelenke können aber auch gleichzeitig betroffen sein oder es trifft als erstes die Gelenke (jeweils 15 Prozent der Fälle)."
Es gibt eine erbliche Veranlagung für die Psoriasis-Arthritis, wobei wahrscheinlich äußere Faktoren (z.B. Bakterien) dafür sorgen, dass die Erkrankung tatsächlich ausgelöst wird. „Weitere Faktoren wie etwa Stress können den Verlauf modulieren", ergänzt Krüger. Was auf jeden Fall nicht stimmt, ist, dass Rauchen angeblich vor Schuppenflechte schützen könne. Zwar wurde in einer früheren Kohortenstudie postuliert, dass die reine Psoriasis bei Rauchern seltener auftritt. „Doch das ist ein Irrtum", betont Krüger: „Eine brandaktuelle Kohortenstudie mit mehr als 185.000 Teilnehmern (Nurses Health Study) hat einen direkten, qualitativen und quantitativen Bezug zwischen Rauchen und Psoriasisrisiko aufgezeigt. Zudem wissen wir mit Sicherheit, dass Begleiterkrankungen wie koronare Herzerkrankung einerseits bei Psoriasis gehäuft auftreten und andererseits durch Rauchen massiv negativ beeinflusst werden. Rauchen verschlimmert die Psoriasis-Arthritis definitiv und verringert das Ansprechen auf die Therapie."
Quelle: Interview der Deutschen Ärztezeitung mit Prof. Klaus Krüger
