03.10.2016

Rheuma ist kein einheitliches Krankheitsbild

Anlässlich des Welt-Rheuma-Tags weist der BDRh darauf hin, dass zu den Krankheiten des rheumatischen Formenkreises mittlerweile rund 400 einzelne Erkrankungen gezählt werden.

Bei Rheuma handelt es sich nicht um ein einheitliches Krankheitsbild, das - wie landläufig oft angenommen - etwa nur die Gelenke betrifft. Darauf weist der Berufsverbands Deutscher Rheumatologen anlässlich des Welt-Rheuma-Tags am 12. Oktober hin. „Zu den Krankheiten des rheumatischen Formenkreises werden mittlerweile etwa 400 einzelne Erkrankungen gezählt, die sich hinsichtlich ihres Beschwerdebildes, Verlaufs und der Prognose stark unterscheiden können", erklärt Dr. med. Ludwig Kalthoff, 1. Vorsitzender des BDRh und praktizierender Rheumatologe in Herne. Grundsätzlich unterscheiden Rheumatologen die folgenden Hauptgruppen: Autoimmunbedingte, chronisch-entzündliche rheumatische Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparats (z.B. Rheumatoide Arthritis oder Lupus erythematodes)Verschleiß- bzw. altersbedingte (degenerative) rheumatische Erkrankungen (= Arthrosen, degenerative Wirbelsäulenerkrankungen) Rheumatische Erkrankungen der Weichteile (Muskel- und Bindegewebe wie z.B. Fibromyalgie) Stoffwechselstörungen, die zu rheumatischen Beschwerden führen (metabolische Gelenkerkrankungen wie z.B. bei Gicht)Chronische Erkrankungen der Knochen ( wie z.B. Osteoporose)

„Fast alle dieser Erkrankungen sind mit Schmerzen und Bewegungseinschränkung verbunden, es gibt aber auch noch mehr Symptome", betont Dr. Kalthoff. Betroffene sind am besten bei Fachärzten mit dem Schwerpunkt- bzw. der Zusatzweiterbildung „Rheumatologie" aufgehoben, die sich als Internist, Orthopäde oder Kinderarzt entsprechend zum internistischen, orthopädischen und pädiatrischen Rheumatologen weitergebildet haben.

Viele Betroffene auch in Deutschland

Unter behandlungsbedürftigen, chronischen Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates leiden in Deutschland etwa 10 Millionen Menschen. Knapp sieben Millionen Menschen haben schwere chronische Rückenschmerzen, rund fünf Millionen symptomatische Arthrose und vier Millionen eine Polyarthrose in den Händen. Entzündlich-rheumatische Erkrankungen betreffen 1,5 Millionen - das heißt 2% der erwachsenen Bevölkerung. Hinzu kommen etwa 20.000 rheumakranke Kinder.

Die Häufigkeit einzelner Krankheitsbilder in Zahlen

Rheumatoide Arthritis („entzündliches Gelenkrheuma") haben in Deutschland rund 530.000 Erwachsene (0,8% der Erwachsenen Bevölkerung). Von Fibromyalgie (die mit chronischen Ganzkörperschmerzen im muskuloskelettalen Bereich einhergeht, häufig kombiniert mit Schlafstörungen, Müdigkeit, Depressivität, Ängstlichkeit und Einschränkungen der kognitiven Funktionen) sind 3,5% der erwachsenen Bevölkerung betroffen. An Morbus Bechterew (einer entzündlichen Erkrankung der Wirbelsäule und peripheren Gelenke) sind rund 332.000 Erwachsene (0,5% der erwachsenen Bevölkerung) erkrankt, an Psoriasisarthritis etwa 133.000 Erwachsene (1-0,3% der erwachsenen Bevölkerung), an sonstigen Spondyloarthritiden 266.000 Betroffene (0,2-0,5% der erwachsenen Bevölkerung). Unter Kollagenosen bzw. Vaskulitiden (also entzündlichen Erkrankungen des Bindegewebes bzw. der Blutgefäße) leiden 132.000 Erwachsene (0,2% der erwachsenen Bevölkerung). Von juveniler idiopathischer Arthritis (entzündlich-rheumatische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter) sind hierzulande 13.000 Heranwachsende (0,1% der unter 18-Jährigen) betroffen. Besonders häufig treten Arthrosen auf: In der europäischen Bevölkerung haben ab dem 60. Lebensjahr 5-10% der Männer und 5-15% der Frauen eine Hüftarthrose, sowie 10% der Männer und 15% der Frauen eine Kniearthrose. Das ergibt für Deutschland (mit 22 Mio. Personen und einer Annahme von jeweils 10% für Hüft- und Kniearthrosen) jeweils 2,2 Mio. Betroffene im Alter ab 60 Jahren. Häufig sind auch Kristallarthropathien (akute oder chronische Krankheiten durch Ablagerung von Kristallen infolge von Stoffwechselerkrankungen - wie z.B. Gicht, an der 1,4% der erwachsenen Bevölkerung erkrankt sind) sowie Osteoporose (unter der rund 6,3 Mio. Betroffenen in Deutschland leiden, dabei 24% der Frauen und 6 % der Männer ab 50 Jahren).

Quelle: äin-red

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