30.11.2010

Rheumaforscher nutzen augenärztliche Untersuchungsmethode

Rheuma-Forscher wollen untersuchen, ob entzündungshemmende Rheuma-Medikamente (TNF-alpha-Blocker) Gefäßveränderungen in der Netzhaut beeinflussen.

Rheumatologen des Universitätsklinikums Jena (UKJ) wollen mit Hilfe der Untersuchung kleinster Gefäße in der Netzhaut (Retina) den Einfluss von entzündungshemmenden Wirkstoffen (TNFα-Blockern) auf Gefäßveränderungen testen, von denen chronisch-entzündliche Gelenkerkrankungen oft begleitet werden und die das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko der Patienten erhöhen. Für dieses Forschungsvorhaben sind die Projektleiter, Dr. Thomas Neumann und Dr. Alexander Sämann, auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) in Hamburg mit einem Forschungsförderungspreis Rheumatologie ausgezeichnet worden.

Bei Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Morbus Bechterew und Psoriasis-Arthritis schädigt eine chronische Entzündung die Gelenk- und Wirbelsäulenstrukturen. In Deutschland leiden über eine Million Menschen an diesen Erkrankungen, die nicht oder unzureichend behandelt meist erhebliche Schmerzen verursachen und zu Gelenkzerstörung und damit zu Funktionsverlusten führen. Verbunden mit der chronischen Gelenkentzündung sind oft Veränderungen der Gefäßwände, die das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko erhöhen.

„Wir können die entzündlich-rheumatische Krankheiten rheumatoider Arthritis, Morbus Bechterew und Psoriasis-Arthritis zwar nicht heilen, aber durch konsequente, in der Regel lebenslange Therapie, lassen sich Entzündungsschübe frühzeitig abfangen, abmildern oder sogar ganz vermeiden“, erläutert Dr. Thomas Neumann von der Klinik für Innere Medizin III des Jenaer Uniklinikums. Dabei setzen die Rheumatologen auf moderne Therapien wie TNFα-Blocker. Diese auch als Biologika bezeichneten Wirkstoffe sind Antikörper, die den entzündungsfördernden, natürlichen Botenstoff Tumor-Nekrose-Faktor-alpha (TNFα) im Gewebe oder Blut abfangen und neutralisieren. „Die Behandlung der Gelenkentzündung senkt auch das Herz-Kreislauf-Risiko wieder“, erklärt Dr. Alexander Sämann. „Wir wollen nun herausfinden, warum das so ist; bzw. ob sich die Biologika auch günstig auf die Gefäßfunktion auswirken.“

Dazu nutzen die Internisten ein von Jenaer Augenmedizinern entwickeltes Verfahren zur Analyse der Gefäße in der Netzhaut, mit dem sich sehr genau und unkompliziert für den Patienten Schäden an den Blutgefäßen erkennen lassen. Für Patienten mit entzündlich-rheumatischen Krankheiten wollen die Mediziner somit den Grad der Gefäßveränderung vor und nach der Behandlung mit Biologika ermitteln. Weitere Daten liefern Untersuchungen von Biomarkern der Gefäßfunktion aus dem Blut und der Verlauf des Entzündungsprozesses in den Gelenken. „So werden wir die Wirkung der TNFα-Blocker auf die Gefäßfunktion beurteilen können und Hinweise auf Art und Entstehung der Veränderungen an den Gefäßwänden erhalten“, hofft Dr. Neumann. Mit ersten Ergebnissen wird in einem Jahr gerechnet.