10.08.2020

Rheumatiker mit immunsuppressiver Therapie erkranken nicht häufiger an der Lunge

Für Rheuma-Patienten unter Methotrexat-Behandlung kommt jetzt eine Entwarnung von zwei aktuellen Studien, die auf der Jahrestagung des EULAR 2020 vorgestellt wurden.

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Patientinnen und Patienten mit Rheumatoider Arthritis (RA) leiden häufig unter sogenannten interstitiellen Lungenerkrankungen (ILD). Seit Jahren steht das Standardmedikament Methotrexat (MTX) unter Verdacht, das Risiko für diese Folgeerkrankung zu erhöhen. Zwei aktuelle Studien widerlegen nun diese Annahme. Sie geben Entwarnung an Rheumatologen und ihre Patienten hinsichtlich der MTX-Behandlung. Die Ergebnisse wurden auf der Jahrestagung der European League Against Rheumatism (EULAR 2020) vorgestellt.

Interstitielle Lungenerkrankungen (ILD) sind eine häufige und schwere Folge der Rheumatoiden Arthritis (RA). Die Prävalenz variiert je nach Bevölkerung und Diagnosemethode, jedoch leiden mindestens fünf bis zehn Prozent aller RA-Patienten an dieser Erkrankung. Sie führt zu entzündlichen Veränderungen im Lungengewebe und in den Lungenbläschen. ILD geht mit Reizhusten und Luftnot einher und führt im schweren Verlauf zu einer Vernarbung des Lungengewebes – der sogenannten Lungenfibrose. Dies kann eine lebenslange Sauerstoffversorgung oder sogar Lungentransplantation notwendig machen. „Eine Lungenerkrankung ist bei rund zehn bis zwanzig Prozent aller RA-Patienten die Ursache für einen frühzeitigen Tod“, erklärt EULAR Präsident Prof. Dr. med. Iain B. McInnes aus Glasgow, Schottland, Großbritannien. „Umso wichtiger ist es, insbesondere in diesen Zeiten weitere Risikofaktoren für eine Anfälligkeit der Lunge bei betroffenen Patienten zu vermeiden.“

Der Rheumatologe begrüßt daher die Ergebnisse zweier neuer Studien, die zeigen, dass das Immunsuppressivum Methotrexat, das akute Pneumonien auslösen kann, für RA-Patienten keinen weiteren Risikofaktor für interstitielle Lungenerkrankungen darstellt. Denn in den vergangenen Jahren stand das Immunsuppressivum immer wieder unter Verdacht, das Risiko für ILD zu erhöhen.

„Das Risiko für eine interstitielle Lungenerkrankung bei RA-Patienten ist zwar insgesamt höher als in der Allgemeinbevölkerung. Basierend auf den vorliegenden Daten gibt es aber keinen evidenten Zusammenhang zur Behandlung mit Methotrexat“, fasst Prof. Dr. Lene Dreyer von der Aalborg Universität in Dänemark die Ergebnisse ihrer aktuellen Kohortenstudie zusammen. Die Rheumatologin bezieht sich auf Patientendaten aus dem Dänischen Nationalen Patientenregister sowie dem DANBIO Register für rheumatische Erkrankungen. Zusammen mit dem Team um Else Helene Ibfelt vom Steno Diabetes Center Kopenhagen, Dänemark, untersuchte sie insgesamt 30.512 RA-Patienten, die zwischen 1997 und 2015 dort registriert waren, auf ILD und Atemprobleme unter Berücksichtigung der jeweiligen Medikation.

Zum gleichen Ergebnis kommt auch eine aktuelle Fallkontrollstudie aus Frankreich, die ebenfalls den Zusammenhang zwischen MTX-Gabe und Lungenerkrankungen untersuchte. „Bei insgesamt 1223 RA-Patienten konnten wir zeigen, dass MTX nicht nur keinen Einfluss auf die Entstehung einer interstitiellen Lungenerkrankung hat, sondern diese sogar noch verzögern könnte“, resümiert der Autor Dr. Pierre-Antoine Juge vom Bichat-Claude Bernard Hospital in Paris seine Untersuchungen. „RA-Patienten mit immunsuppressiver Therapie waren um mehr als die Hälfte weniger von ILD betroffen als RA-Patienten, die keine MTX-Therapie erhielten.“

„Es müssen natürlich noch weitere Untersuchungen folgen, um die Ergebnisse zu festigen und letztendlich Patienten und Ärzten die Sicherheit zu geben, dass eine Therapie mit MTX keinen negativen Einfluss auf die Lungengesundheit der Patienten mit Rheumatoider Arthritis hat“, resümiert EULAR Scientific Committee Chair Professor Dr. John Isaacs von der Newcastle University, Großbritannien. Dennoch bleibe es wichtig, im Auge zu behalten, dass MTX eine akute Pneumonie auslösen könne.

Die Experten empfehlen aufgrund des weiterhin bestehenden allgemeinen Risikos für ILD, RA-Patienten regelmäßig auf Lungenveränderungen zu untersuchen und beizeiten zu therapieren – insbesondere während der Corona-Pandemie. Besteht ein Verdacht auf ILD stellen lungenfunktionelle Untersuchungen den Grad der bereits entstandenen Einschränkung der Lungenfunktion dar. Mithilfe von Bildgebungsverfahren, wie der Computertomografie oder einer Bronchoskopie kann eine ILD ebenfalls festgestellt werden.

Quelle: European League Against Rheumatism (EULAR 2020)

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